Der frühere US-Präsident Trump am 6. Januar 2021 bei einer Rede vor Anhängern, die später versuchten, das US-Kapitol zu stürmen. dpa/Vucci

Der frühere US-Präsident Donald Trump sieht sich massiven Vorwürfen ausgesetzt: Es geht um möglicherweise verschleierte Telefonate im Zusammenhang mit dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021. Damals versuchten Trump-Anhänger, die Amtsübergabe an den Wahlgewinner Joe Biden gewaltsam zu verhindern. Mehrere Menschen starben bei dem versuchten Staatsstreich. Indizien deuten darauf hin, dass Trump seine Anhänger nicht nur durch Reden und Tweets aufgestachelt hat, sondern im Kontakt mit Rädelsführern der gescheiterten Revolte gestanden haben könnte. Von mehreren entscheidenden Stunden des Tages fehlen jegliche Aufzeichnungen und Daten, mit wem Trump an dem Tag telefonierte: Wurden diese gelöscht, um mögliche Spuren zu verwischen?

Aufgewärmte Vorwürfe gegen Biden-Sohn Hunter: Angebliche Millionen-Zahlungen

Vor diesem Hintergrund versucht Trump nun die Flucht nach vorn und attackiert US-Präsident Joe Biden indirekt mit aufgewärmten Vorwürfen gegen dessen Sohn Hunter Biden. Hilfe erhofft sich Trump ausgerechnet vom russischen Präsidenten Wladimir Putin, gegen den inzwischen wegen Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit der Ukraine-Invasion und gezielter Bombardierungen auf Zivilisten ermittelt wird.

Putin solle angebliche kompromittierende Informationen über Hunter Biden preisgeben. In einem Interviewauszug, der am Dienstag vom US-Sender Real America’s Voice ausgestrahlt wurde, behauptete Trump, dass die Frau des ehemaligen Bürgermeisters von Moskau Hunter Biden 3,5 Millionen Dollar gegeben habe. Trump sagte: „Ich denke, Putin wird die Antwort kennen. Ich denke, er sollte sie herausgeben.“

Biden bestreitet unbewiesene Trump-Vorwürfe

Trump behauptet seit Langem ohne Beweise, dass Hunter Biden Geld von Elena Baturina, der Frau des verstorbenen Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow, erhalten habe. Biden bestreitet dies.

Das Repräsentantenhaus hatte 2019 sogar ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump eingeleitet, weil er versucht hatte, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zur Preisgabe angeblich kompromittierender Informationen über Hunter Biden zu bewegen. Dieser hatte für das ukrainische Gasunternehmen Burisma gearbeitet, als sein Vater Vizepräsident war. Trump hatte behauptet, dass Biden die Entlassung eines ukrainischen Staatsanwalts erwirkt habe, um Burisma vor Korruptionsklagen zu schützen. Das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump scheiterte schließlich im Senat.

Trumps Äußerungen kommen zu einem brisanten Zeitpunkt, da Biden den russischen Präsidenten wegen dessen Angriffs auf die Ukraine als „Kriegsverbrecher“ bezeichnet hatte. Kürzlich sagte Biden zudem, dass Putin wegen des Kriegs „nicht an der Macht bleiben kann“, was eine weitere Kontroverse mit Moskau auslöste.