Donald Trump will Präsident bleiben, Joe Biden will ihn aus dem Weißen Haus jagen. Fotos: Jim Watson, Saul Loeb/AFP

Jetzt wird es ernst: In der Nacht zu Mittwoch deutscher Zeit entscheidet sich, ob Donald Trump 45. Präsident der USA bleibt oder sein Herausforderer Joe Biden das Land als 46. Präsident für die kommenden vier Jahre führt. Der Kurier erklärt das verwickelte Wahlsystem, das für Überraschungen gut ist: Es gewinnt nicht unbedingt der Kandidat, der die meisten Stimmen erhält.

Die Grafik zeigt, wo nach den Umfragen Trump vorne liegt (rot) und wo Biden (blau). Je dunkler die Farbe, desto wahrscheinlicher ist der Sieg des jeweiligen Kandidaten - wie Kalifornien (CA) für Biden und Tennessee (TN) für Trump. Grau sind die Staaten, in denen die Umfragen kein klares Bild liefern, unter anderem in den „Swing-Staaten“ Florida (FL), Pennsylvania (PA) und Michigan (MI). Außerhalb der Karte: Hawaii (HI) und Alaska (AK). Der Balken über der Landkarte zeigt, wie viele Wahlpersonen die Kandidaten laut Umfragen gewinnen werden. Die Mehrheit liegt bei 270.  Grafik: Sabine Hecher. Quelle: RealClearPolitics

Der US-Präsident wird nicht direkt vom Volk gewählt. Es entscheidet mittelbar über Wahlmänner und -frauen. Jeder der 50  Staaten und die Hauptstadt Washington D. C. hat eine Anzahl von Wahlpersonen, die an seine Einwohnerzahl gekoppelt ist. Die meisten stellt Kalifornien mit 55, gefolgt von Texas mit 38 sowie dem Staat New York und Florida mit je 29. Kleine Staaten wie North Dakota und die Hauptstadt haben je drei Wahlmänner und -frauen.

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Die Mehrheit der 538 Wahlmänner und -frauen liegt bei 270 – wer diese Zahl erreicht oder überschreitet, hat die Präsidentschaftswahl gewonnen. Zumindest theoretisch, denn die Wahlpersonen sind in 24 Staaten frei in ihrer Entscheidung, die am 14. Dezember im „Electoral College“  fallen soll.

Das historisch bedingte System mit einem Übergewicht der elf größten Staaten führt dazu, dass jemand Präsident werden kann, obwohl er von weniger Bürgern gewählt wurde. Denn in fast allen Staaten gewinnt der jeweilige Sieger jeweils alle Wahlpersonen, unabhängig von den prozentualen Ergebnissen.

Deshalb konnte Donald Trump 2016 Präsident werden, obwohl er landesweit über 2,5 Millionen Stimmen weniger hatte als Hillary Clinton.

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Zusätzliche Ungerechtigkeiten gibt es, weil die Zahl der Wahlpersonen in den Staaten unterschiedlich ist, gerechnet auf die Einwohner: In Wyoming kommt eine Wahlperson auf 188.000 Wähler, in Kalifornien eine auf 677.000.

Eine besondere Bedeutung haben bei den Präsidentenwahlen die sogenannten Swing-States: In ihnen gibt es traditionell wechselnde Mehrheiten für Demokraten oder Republikaner. Deshalb machten Trump und Biden zuletzt in Pennsylvania und Michigan Wahlkampf. Deshalb legen beide Kandidaten besonderen Wert auf die Swing-States – Michigan liefert 16, Pennsylvania 20 Stimmen für das Electoral College.

Bei den Umfragen liegt Joe Biden landesweit vorn, das hat aber wenig zu bedeuten: Hillary Clinton, Ehefrau des Ex-Präsidenten Bill Clinton, hatte vor der Wahl 2016 einen Vorsprung von 12 Prozent auf Trump.

Der neue (oder bisherige) Präsident wird am 20. Januar 2021 in Washington D. C. ins Amt eingeführt.