Die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin-Mitte imago/Joko

Schwindel, unerträgliche Kopf- und Ohrenschmerzen und Abgeschlagenheit: Unter diesen Symptomen leiden nach einem Bericht des Wall Street Journal mindestens zwei Angehörige der US-Botschaft in Berlin. Der Zeitung zufolge soll es auch in US-Botschaften weiterer EU-Länder zu derartigen Fällen gekommen sein. Was die Betroffenen gemeinsam hatten: Sie beschäftigten sich mit Russland.

Kann das ein Zufall sein? Diplomaten spekulieren nun, ob die betroffenen Personen möglicherweise Opfer eines Angriffs geworden sind. In dem Zusammenhang fällt der Begriff, der vor fünf Jahren geprägt wurde: Havanna-Syndrom. 2016 kam es zu einer Häufung von Fällen, bei denen Angehörige der Botschaften Kanadas und der USA unter ähnlichen Symptomen litten. Dutzende Diplomaten klagten über Seh- und Hörstörungen, Benommenheit und Abgeschlagenheit.

Hochfrequenz-Waffen sollen Gegner kampfunfähig machen

Untersuchungen der US-Geheimdienste zur Ursache dieser mysteriösen Fälle ergaben kein klares Ergebnis. Die Vermutung war, die Diplomaten seien mit einer bislang ungekannten Mikrowellen- oder Schallwaffe attackiert worden. Beweise dafür wurden allerdings nicht präsentiert.

Später tauchten weitere Fälle in China, Russland und Österreich auf. Ein US-Expertenkomitee kam Ende 2020 zum Schluss, dass Ursache wohl Mikrowellen-Beschuss gewesen sei, genauer gesagt Hochfrequenz (HF) oder Ultraschall. HF-Technik wird heute beispielsweise auf vielfältige Weise in der Chirurgie eingesetzt. Es ist bekannt, dass an Hochfrequenzwaffen geforscht wird. Dabei geht es darum, Gegner und deren Geräte mithilfe elektromagnetischer Impulse kampfunfähig zu machen. Ob derartige Waffen bei den aktuellen Fällen zum Einsatz kamen, ist bislang allerdings reine Spekulation.