Ein Paar umarmt sich, nachdem es aus einer Haftanstalt entlassen wurde, in der Demonstranten nach einer Massenkundgebung im Anschluss an die Präsidentschaftswahlen saßen. Foto: AP/dpa

„Sie haben mir sehr stark auf den Kopf geschlagen. Mein Rücken ist mit blauen Flecken übersät von Schlägen mit dem Schlagstock“, schilderte der 25-jährige Maxim Dowjenko die Qualen, die er in einem weißrussischen Gefängnis erleiden musste. 

In der Nacht zum Freitag hatten die Behörden viele der rund 7000 im Zuge der Proteste gegen das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Belarus festgenommenen Bürger wieder auf freien Fuß gesetzt. Tausende wurden aber weiter in den Gefängnissen festgehalten. Nach ihrer Freilassung berichteten Viele von schwersten Misshandlungen im Gefängnis. In Videos schilderten Frauen und Männer, dass sie kaum ernährt und in engsten Zellen stehend zusammengepfercht worden seien. Viele Bürger zeigten - nur in Unterwäsche bekleidet - ihre mit Platzwunden und großen blauen Flecken von Schlägen übersäten Körper.

Ein Mann zeigt die Wunden auf seinem Rücken. Polizisten hätten ihn in der Haft brutal geschlagen, klagt er an.  Foto: AP/Sergei Grits

Frauen schilderten nach der Freilassung aus dem Gefängnis auf der Okrestin-Straße in Minsk unter Tränen, dass sie geschlagen worden seien. In Zellen mit vier Betten seien 35 Frauen gewesen, sagte eine Freigelassene dem Portal tut.by. „Sie haben mit schrecklicher Brutalität zugeschlagen“, sagte sie. „Überall war viel Blut.“

Männer zeigen die Folgen der Polizei-Prügel: Ihre Beine sind mit Blutergüssen übersät. Foto: Sergei Gapon/AFP

Es war das erste Mal seit Tagen, dass der Machtapparat unter Diktator Alexander Lukaschenko einlenkte. Doch auch nach der Freilassung vieler Gefangener haben in Belarus neue Proteste gegen Gewalt und Willkür des Präsidenten begonnen. Hunderte Ärzte und Frauen bildeten am Freitagmorgen in der Hauptstadt Minsk Menschenketten, um gegen das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen friedliche Kundgebungen zu demonstrieren.

Ein Mitarbeiter einer Fahrzeug-Fabrik in Minsk streckt die Faust in die Höhe. Die Arbeiter starteten Streiks, um die Proteste gegen Lukaschenko zu unterstützen. Foto: Sergei Gapon/AFP

Die unterlegene Präsidentenkandidatin Swetlana Tichanowskaja hat nach der umstrittenen Wahl aus ihrem Exil im EU-Land Litauen zu neuen friedlichen Massenaktionen aufgerufen. Lukaschenko habe einen „blutigen Krieg“ gegen die Bevölkerung begonnen, sagte sie in einer am Freitag über die sozialen Netzwerke verbreiteten Videobotschaft und appellierte: „Lasst uns zusammen unsere Stimmen verteidigen.“ Am Samstag und Sonntag sollten sich die Menschen in allen Städten des Landes zu friedlichen Massenversammlungen zusammenfinden. Zugleich forderte sie den Machtapparat auf, die Gewalt gegen die Bürger zu beenden und den Dialog zu beginnen.

Tichanowskaja betonte, dass sie bei der Wahl zwischen 60 und 70 Prozent der Stimmen erhalten habe. Dagegen hatte sich der als „letzter Diktator Europas“ bezeichnete Alexander Lukaschenko mit rund 80 Prozent zum Sieger erklären lassen.