Wer Vermögen angehäuft hat, soll mehr Steuern zahlen, finden die Unterzeichner des Appells. imago/Jens Schicke

Sie haben Millionen auf dem Konto und wollen trotzdem Vermögen besteuern und Steuervermeidung eindämmen: In einem gemeinsamen Appell haben 36 Millionärinnen und Millionäre aus Deutschland und Österreich Politiker aufgefordert, Reiche stärker zur Kasse zu bitten. Die wachsende Ungleichheit gefährde die Demokratie, befürchten die Initiatoren.

„Wir sind Vermögende und setzen uns für eine höhere Besteuerung von Vermögen ein“, heißt es in ihrem Appell, der unter dem Schlagwort „taxmenow“ im Internet veröffentlicht wurde.

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Die „Ungleichheit in Deutschland und international“ nehme seit Jahrzehnten zu, begründen die Millionäre ihren Vorstoß. Unter der Corona-Krise litten besonders Arme, „während manche Vermögende und Unternehmen zu den Krisengewinnern gehören und in der Krise noch reicher geworden sind“.

Unterzeichnet haben den Appell laut Süddeutsche Zeitung unter anderem der IT-Firmengründer Ralph Suikat, Antonis Schwarz, Erbe der Schwarz Pharma AG, und die Unternehmenserbin Stefanie Bremer.

Steuerschlupflöcher müssen verschwinden

Konkrete Vorschläge der Initiatorinnen und Initiatoren sind unter anderem die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, eine Vermögensabgabe und striktere Regeln gegen Steuervermeidung. Die bevorstehenden Wahlen böten „eine einmalige Gelegenheit“, die Orientierung von Vermögen am Wohle der Allgemeinheit zu stärken, heißt es. Dafür haben die Initiatoren eine Online-Petition gestartet und werben um Unterstützer.

Reiche können sich leicht „arm rechnen“

Nach Einschätzung des Ifo-Instituts haben Wohlhabende Menschen in Deutschland viel mehr Spielraum bei der Steuergestaltung als in anderen Industrienationen.

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Der Unterschied zwischen den Brutto-Jahreseinkünften und dem am Ende tatsächlich versteuerten Einkommen liege in Deutschland bei mehr als 20 Prozent, rechnet Andreas Peichl, Leiter des Ifo-Zentrums für Makroökonomik und Befragungen im Spiegel vor.

Zum Vergleich: In den USA liege dieser Wert bei nur 12 Prozent, bei den Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Schnitt bei 10 Prozent.

Peichl: „Bei uns haben Reiche viel mehr Möglichkeiten, sich arm zu rechnen.“ Es sei deshalb wichtig, Steuerschlupflöcher zu schließen.