Michael Kretschmer (CDU) hofft, dass es zu keinem massiven bundesweiten Corona-Ausbruch kommt. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Israel kämpft gegen steigende Infektionszahlen, auch in Staaten wie Japan und den USA häufen sich neue Corona-Fälle. Deutschland wiegt sich noch in Sicherheit, doch nach Einschätzung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) ist auch bei uns die zweite Welle schon da. „Sie findet bereits jeden Tag statt. Wir haben jeden Tag neue Infektionsherde, aus denen sehr hohe Zahlen werden könnten“, sagte Kretschmer der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

Die Aufgabe bestehe darin, mit den Gesundheitsämtern diese Welle jeden Tag neu zu brechen. Das klappe „erstaunlich gut“, sagte Kretschmer. Deutschland könne durch sein föderales System viel präziser vorgehen als zentralistisch regierte Länder wie Frankreich oder Polen. Die Ministerpräsidenten könnten abwägen, was gezielt für einzelne Regionen geregelt werden könne. „Das ist nur im Föderalismus möglich.“

Die Zahl der Neuinfektionen pro Tag seit März: In den letzten Tagen verzeichnet das RKI wieder einen Anstieg. Grafik: AFP

Kein einziger Landkreis reißt zurzeit die Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, doch die Zahl der neu übermittelten Corona-Fälle liegt deutlich höher als in den Vorwochen und beunruhigt das Robert-Koch-Institut (RKI). Mit Stand Sonnabend früh haben die Gesundheitsämter in Deutschland innerhalb eines Tages 781 neue Corona-Infektionen gemeldet. Der erneute Anstieg verlief etwas langsamer als noch am Vortag. Am Freitag hatte das RKI mit 815 Neuinfektionen eine nach Expertenmeinung besorgniserregende Zahl vermeldet. 

Insgesamt haben sich seit Beginn der Corona-Krise damit mindestens 204.964 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus angesteckt. „Eine weitere Verschärfung der Situation muss unbedingt vermieden werden“, warnte eine RKI-Sprecherin. Der R-Wert liegt nach RKI-Schätzungen derzeit bei 1,08, am Vortag wurde der Wert noch mit 0,93 angegeben. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt.

Ein Mann verlässt das Corona-Testzentrum am Flughafen Köln/Bonn. Wie hier haben am Tag nach der Einigung der Gesundheitsminister auch an den Flughäfen in Düsseldorf und Dortmund kostenlose Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten begonnen. Foto: Marius Becker/dpa

Ein Grund für die erhöhten Zahlen in den vergangenen Tagen ist wohl die Urlaubszeit. Einige Bundesländer berichten bereits von steigenden Fallzahlen durch Reiserückkehrer. Auch aus diesem Grund einigten sich die Gesundheitsminister aller Länder am Freitag auf freiwillige Corona-Tests für Rückkehrer aus dem Ausland. Für Touristen aus Risikogebieten, wie Ägypten, der Türkei oder die USA, sollen dafür Teststationen direkt an Flughäfen eingerichtet werden. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lässt jetzt rechtlich prüfen, ob für diese Reiserückkehrer auch ein verpflichtender Test möglich ist.

Vor allem in den südlichen Staaten der USA steigen die Corona-Zahlen dramatisch. In einer Veranstaltungshalle in Austin (Texas) wird in Vorbereitung auf die Behandlung von Patienten ein Feldkrankenhaus eingerichtet. Foto: Bob Daemmrich/ZUMA Wire/dpa

Die Fallzahlen steigen nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern dramatisch an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete am Freitagabend mit 284.196 Neuinfektionen so viele Fälle an einem Tag wie noch nie seit Beginn der Coronavirus-Pandemie. Mit Abstand die meisten Infektionen verzeichneten die USA und Brasilien, jeweils mehr als 67.000. In Indien waren es fast 50.000, in Südafrika 13.000.

Weltweit waren der WHO seit dem Ausbruch des neuen Virus Ende vergangenen Jahres bis Freitag 15,3 Millionen Infektionen gemeldet worden. Knapp 630.000 Menschen starben nachweislich mit einer Coronavirus-Infektion.

Eine baldige Ausrottung des Virus ist nach Überzeugung der WHO nicht in Sicht. Nothilfekoordinator Mike Ryan: „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben.“