Im Senegal beginnt die „Große Grüne Mauer“, aber im Inneren des afrikanischen Kontinents geht es nicht voran. dpa/AP/Leo Correa

Ein grüner Gürtel aus Bäumen quer durch Afrika, rund 8000 Kilometer lang: Die „Große Grüne Mauer“ von Senegal ganz im Westen am Atlantik bis Dschibuti im Osten am Roten Meer soll die Ausweitung der Sahara stoppen. Doch der Bau des Schutzwalls gegen die Wüste stockt. Finanzielle Probleme machen dem Vorhaben ebenso zu schaffen wie fehlender politischer Wille oder auch der islamistische Terror in Teilen des Verlaufs.

40.000 Quadratkilometer Land sind seit Beginn der Projektarbeiten vor 15 Jahren aufgeforstet worden. Das klingt viel, aber die 45fache Fläche Berlins macht nur vier Prozent der insgesamt vorgesehenen Fläche aus, die sich durch elf Staaten ziehen soll.

2030 soll die Große Grüne Mauer durch Afrika fertig sein. Eigentlich.

Dabei soll  die „Great Green Wall“ eigentlich bis 2030 in der Sahel-Zone entlang der Sahara entstehen, ihre Ausdehnung nach Süden zum Halt bringen und Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre filtern.

Geboren wurde die Vision vor Jahrzehnten, die Umsetzung begann 2007. Aber schon bald kamen Rückschläge. In Burkina Faso macht der dortige Koordinator der Initiative, Adama Doulkom, politische Instabilität und Sicherheitsprobleme für das Ausbremsen der Arbeiten verantwortlich.

Terror verhindert häufig die Anpflanzung der Großen Grünen Mauer

Damit werde der Fortschritt in nahezu 4000 Dörfern quer durchs Land gestoppt. „Terroristische Angriffe in den betroffenen Regionen haben die Menschen auseinandergetrieben. Das schränkt die Bewegungen ein und macht es schwieriger für uns, die Arbeiten vor Ort direkt zu begleiten.“

Gegenden der Sahel-Region in Burkina Faso seien in den vergangenen drei Jahren teils kaum noch zugänglich gewesen. Andere Länder teilen das Sicherheitsproblem. Hemmnisse  werden aus Mali, dem Niger, Nigeria und dem Tschad ebenso gemeldet wie aus dem Sudan oder  Äthiopien im Osten Afrikas.

Ein Dorf in der Sahel-Zone, die nicht zur Wüste werden soll. dpa/AP/Leo Correa

Das hat kürzlich die zweiwöchige Vertragsstaatenkonferenz der „UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung“ (UNCCD) in der Elfenbeinküste stark beschäftigt. Der Organisation zufolge sind bis zu 45 Prozent des Landes in Afrika von Wüstenbildung in Mitleidenschaft gezogen.

Nicht nur für die Umwelt bedeutet das eine Gefahr, sondern auch für das Zusammenleben der Menschen. So verwies UNCCD-Exekutivsekretär Ibrahim Thiaw deutlich auf die möglichen Folgen für die Sicherheit der Regionen. Wenn aber das Land zurückgewonnen werde, gebe es auch weniger Konflikte. Alle Bemühungen, Boden und Natur zu stärken und die Gesundheit des Landes zu festigen, brächten Nutzen, die die Kosten bei weitem übersteigen. Jetzt seien alle aufgerufen, das Projekt voranzutreiben.

Trotz aller Rückschläge bleibt Elvis Tangem optimistisch. Der Koordinator der „Great Green Wall“-Initiative räumt zwar ein, dass Konflikte den Fortschritt gebremst hätten. Aber: „Es begann als Umweltprojekt, aber die Dynamik der Region hat uns dazu gebracht, über den ökologischen Aspekt des Projekts hinaus zu blicken.“ Dazu gehörten Konfliktlösung und Befriedung, aber auch die Förderung der Jugend, die Stärkung von Frauen und allgemein die ländliche Entwicklung.

Der arme Staat Niger kommt besser mit der Großen Grünen Mauer voran

Erfolge beim Anlegen des afrikanischen Grüngürtels werden unter anderem aus dem Osten gemeldet. Eritrea, Äthiopien und der Sudan hätten ihre Anstrengungen verstärkt, heißt es aus dem Koordinationsbüro des Projekts in Addis Abeba. Auch der Niger wird für seine Fortschritte gelobt. Bei „messbaren Aufforstungs-Meilensteinen“ lasse der Niger andere Länder weit hinter sich, sagt Tabi Joda,  Botschafterin für das Wall-Projekt. Die Bevölkerung sei engagiert dabei. Immer mehr Gemeinden schlössen sich der Initiative an.

Wenn das Projekt aber sein selbstgestecktes Ziel, bis zum Jahr 2030 rund eine Million Quadratkilometer begrünt zu haben, erreichen will, ist laut UNCCD deutlich mehr Tempo nötig. Dazu müssten nun jährlich jeweils einige Millionen Hektar hinzukommen.

Nach Schätzungen der Denkfabrik WRJ in Washington sind dafür an die 40 Milliarden Euro nötig. Ein Teil des Geldes sollte schon da sein: Vor anderthalb Jahren gab es beim Umweltgipfel „One Planet Summit“ in Paris Zusagen der Teilnehmerländer, fast zwölf Milliarden Euro in das Projekt zu stecken.