Seit fast einem Monat läuft in Deutschland die Impfkampagne gegen Corona – nur der Impfstoff fehlt.  Foto: imago images/Beautiful Sports

Feierlich startete am 27. Dezember die Impfkampagne gegen Corona in Deutschland, medienwirksam wurden die ersten Impfungen in Szene gesetzt. Das ist jetzt knapp einen Monat her. Und dem hoffnungsvollen Beginn folgt seitdem Ernüchterung.

Bundesweit 1,4 Millionen Mal wurde der lebensrettende Piks seitdem gesetzt, 78.000 haben schon den nötigen zweiten. In Israel sind es 850.000 Menschen – bei neunmal weniger Einwohnern.

Lesen Sie auch: Politiker fordern endgültiges Lockdown-Ende Mitte Februar

In den aus dem Boden gestampften Impfzentren herrscht gähnende Leere und der Nachschub an Impfstoff stockt. Einmal schockt Pfizer die Europäer mit der knappen Erklärung, man werde weniger Impfstoff der Firma Biontech liefern, weil man ein Werk umrüsten müsse, um letztlich die Produktion zu erhöhen.

Jetzt erklärt Pfizer, weniger Fläschchen zu liefern, weil daraus sechs statt fünf Dosen gezogen werden könnten. Und letztlich gibt Astrazeneca, der Hersteller, bei dem die EU mit 56,2 Millionen Dosen die größte Menge aller verfügbaren Vakzine bestellt hat, in einer Erklärung zu verstehen, man werde wegen Problemen in der Lieferkette Deutschland im ersten Quartal 60 Prozent weniger Impfdosen zur Verfügung stellen können.

Alle aktuellen News aus Politik & Wirtschaft finden Sie hier.

So würden es auch Hersteller von Töpfen und Pfannen formulieren. Doch hier geht es um einen Impfstoff, um die Rettung von Leben. Solche Ansagen zerstören Hoffnungen von Millionen Menschen darauf, das viel beschworene Ende des Tunnels zu erreichen und vor dem Virus endlich geschützt zu sein.

Und sie gefährden die Impfkampagnen in den EU-Ländern, die Impftermine nur mit der Gewissheit vergeben können, dass zum vereinbarten Termin auch tatsächlich Impfstoff da ist. Für diese Verlässlichkeit stehen die Hersteller in der Verantwortung. Sonst verspielen sie ein zweites wertvolles Gut: das so dringend nötige Vertrauen der Deutschen in die Impfkampagne, damit diese ein Erfolg wird und eine breite Mehrheit erreicht. Und gegen verlorenes Vertrauen gibt es keine Medizin.