Mitglieder der sogenannten Hamburger Terrorzelle: Mounir El Motassadeq, Mohammed Atta und Abdelghani Mzoudi (v.l.n.r.).  dpa/picture alliance

Die Anschläge vom 11. September treffen die USA, aber die Spur führt auch nach Norddeutschland: Schnell wird klar, dass ein wesentlicher Teil der Terroristen in Hamburg lebte. Für die Sicherheitsbehörden und die Öffentlichkeit ist der Schock groß. Schlagartig erhält der Kampf gegen den Islamismus die höchste Priorität. Und Hamburg kämpt mit dem Ruf, eine Brutstätte für Terror zu sein. Ein Überblick über diesen Strang der Geschichte:

Mehrere Attentäter waren in Hamburg gemeldet

Bereits am 11. September tauchen Gerüchte über eine etwaige Verbindung der Flugzeugattentäter nach Deutschland auf. Einen Tag später wird aus Vermutungen Gewissheit. US-Ermittler konnten die Identität der Täter so weit rekonstruieren, dass sie eine Liste mit Namen an die deutschen Sicherheitsbehörden senden.

Ein Abgleich von Meldedaten durch die Polizei in Hamburg ergibt: Gleich mehrere Terroristen, darunter deren mutmaßlicher Anführer Mohammed Atta, sind in Hamburg gemeldet. Noch am Abend des 12. Septembers rückt die Polizei in Hamburg zu Razzien aus. Bilder aus der Hansestadt laufen über Fernsehkanäle in aller Welt.

Die Räume allerdings, so viel wird schnell klar, sind keine heißen Tatorte oder aktiven Verstecke mehr. Die Wohnung in der Marienstraße im Stadtteil Harburg etwa, in der Atta zeitweise mit zweien seiner Mitverschwörer lebte, ist renoviert und leer.

Die „Hamburger Zelle“

In den folgenden Tagen und Wochen erhellen die unter Hochdruck betriebenen Ermittlungen die näheren Umstände, auch wenn sich nicht mehr alle Details eindeutig klären lassen. Es stellt sich heraus, dass drei der vier Al-Kaida-Selbstmordpiloten zu einem salafistisch-islamistischen Freundeskreis gehörten, der sich Ende der 90er Jahre unter Studenten aus arabisch geprägten Ländern in Hamburg gebildet hatte.

Ihr Mittelpunkt ist der aus Ägypten stammende Atta, der an der Technischen Universität in Hamburger Stadtteil Harburg studiert. Seine Wohnung in der Marienstraße dient als Treffpunkt und einem Teil der Beteiligten als Wohngemeinschaft. Die Männer beten darüber hinaus in der Al-Kuds-Moschee im Stadtteil St. Georg nahe dem Hamburger Hauptbahnhof, in der islamistische Hassprediger das Wort führen.

Die Mitglieder der sogenannten Hamburger Terrorzelle (oben l-r) Zakariya Essabar, Abdullah Binalshibh, Said Bahaji, (unten l-r) Mounir El Motassadeq, Mohammed Atta und Abdelghani Mzoudi.  picture alliance/dpa

Der Weg zum Anschlag

Der Verdacht, die monströsen Anschläge seien an der Elbe geplant worden, bestätigt sich allerdings nicht. Die Ermittler kommen zu dem Schluss, dass die „Hamburger Zelle“ sich zunächst ohne direkten Kontakt zu Terrornetzwerken radikalisierte und später eher zufällig von der Al-Kaida-Führung für einen Anschlag neuer Dimension rekrutiert wird. Sie führen aus, Urheberschaft und operative Leitung allerdings sind in Afghanistan zu verorten.

Demnach reisen die Kernmitglieder der „Hamburger Zelle“ Ende 1999 in ein islamistisches Ausbildungscamp in Afghanistan, weil sie sich dem weltweiten Dschihad anschließen wollen. Dort kommt der Kontakt zur Al-Kaida-Führung zustande, der die unauffällig im Westen lebenden Männer wie gerufen kommen. Wenige Monate nach der Rückkehr - und mehr als ein Jahr vor dem Aschlag - verlassen sie Hamburg. Sie gehen in die USA und besuchen Flugschulen.

Prozesse gegen Hintermänner in Hamburg

In Hamburg zurück bleiben einige Mitverschwörer und Helfer, von denen sich die wichtigsten aber vor dem Anschlag ebenfalls ins Ausland absetzen. Ramsi Binalshibh, der mit Atta gemeinsam in der „Terror-WG“ wohnte und ursprünglich womöglich ebenfalls als ein Attentäter vorgesehen war, wird später in Pakistan gefasst.

Den Ermittlern in Hamburg gehen danach noch zwei Mitglieder der Zelle ins Netz, ihnen wird in der Hansestadt als mutmaßlichen Mitwissern und Helfern der Prozess gemacht. Einer davon endet mit einem Freispruch. Anders sieht es im Fall des Marokkaners Mounir El Motassadeq aus. Der enge Freund Attas wird zu 15 Jahren Haft wegen Unterstützung einer Terrororganisation und Beihilfe zum Mord verurteilt, weil er den Terroristen unter anderem dabei half, ihre Abwesenheit aus Hamburg zu verschleiern.