Ein Foto aus dem Jahr 1998 - Madeleine Albright spricht in einer Pressekonferenz.
Ein Foto aus dem Jahr 1998 - Madeleine Albright spricht in einer Pressekonferenz. AFP/William Philpott

Madeleine Albright hat die US-Außenpolitik nach dem Zerfall des Ostblocks entscheidend mitgeprägt: Als Botschafterin bei den Vereinten Nationen und dann als erste Außenministerin warb sie resolut, eloquent und prinzipientreu für Amerikas Interessen. Unter dem damaligen Präsidenten Bill Clinton wurde die ursprünglich aus Osteuropa stammende Demokratin zu einer führenden Stimme der US-Außenpolitik im 20. Jahrhundert. Nach dem Ausscheiden aus der Regierung schrieb Albright mehrere erfolgreiche Bücher und setzte sich unter anderem auch für die Rechte der Frauen ein. Sie starb am Mittwoch im Alter von 84 Jahren infolge eines Krebsleidens, wie ihre Familie über Twitter mitteilte.

Auch nach ihrer Zeit in der aktiven Politik machte Albright kein Geheimnis aus ihrer Weltsicht. US-Präsident Donald Trump etwa warf sie vor, das Land zu spalten und der Demokratie zu schaden. „Er ist der undemokratischste Präsident in der modernen Geschichte der USA“, sagte Albright etwa 2018. Trumps Verachtung für die Medien und institutionelle Strukturen gefährde die Stabilität des Landes. „Dagegen müssen wir etwas unternehmen“, mahnte die damals 81-Jährige bei einer Diskussionsrunde zu ihrem Buch „Faschismus. Eine Warnung“. Die Demokratie dürfe nicht als selbstverständlich angesehen werden, mahnte sie. „Ich mache mir Sorgen - und zwar jeden Tag mehr.“

Nach Beginn des Krieges in der Ukraine meldete sie sich zu Wort

Zuletzt meldete sich Albright einen Tag vor Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine mit einem Gastbeitrag in der „New York Times“ zu Wort, in dem sie Russlands Präsidenten Wladimir Putin kritisierte. „Ein Einmarsch in die Ukraine würde nicht Russlands Weg zur Größe ebnen, sondern Herrn Putins Ehrlosigkeit besiegeln, indem er sein Land diplomatisch isoliert, wirtschaftlich angeschlagen und strategisch verwundbar gegenüber einem stärkeren, geeinten westlichen Bündnis macht“, schrieb sie. Falls Putin sich in die Ecke gedrängt fühle, könne er sich dafür nur selbst die Schuld geben. Die Ukraine habe ein Recht auf ihre staatliche Souveränität, betonte sie.

Als UN-Botschafterin in New York bemühte sich Albright ab 1993 um eine Führungsrolle der USA bei der Befriedung von Krisen, die nach dem Ende des Ost-West-Konflikts ausgebrochen waren. Die Krisenherde Somalia, Ruanda und Bosnien zeigten allerdings auch die Grenzen der US-Außenpolitik auf. Experten lobten Albright aber zum Beispiel für ihre harte Linie gegenüber dem Irak und der Militärjunta in Haiti.

Kritiker bezeichneten Albrights Auftreten bei den UN bisweilen als undiplomatisch. Sie sah das aber eher als Lob für ihr resolutes Eintreten für amerikanische Interessen. 1996 spielte sie dann die Schlüsselrolle bei den Bemühungen, UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali eine zweite Amtszeit zu verwehren. Die USA warfen ihm mangelnden Reformwillen vor. Albright setzte den US-Willen letztlich gegen großen Widerstand aus der internationalen Gemeinschaft durch.

Erste Frau an der Spitze des Außenministeriums

In Clintons zweiter Amtszeit führte Albright ab 1997 als erste Frau das Außenministerium, wodurch sie die bis dahin ranghöchste Frau in einem US-Regierungsamt wurde. Die 1937 in Prag geborene Diplomatin setzte sich dabei mit Nachdruck für die Nato-Osterweiterung ein. „Madam Secretary“ bemühte sich auch gezielt um die Pflege der Beziehungen zu Verbündeten. Mit dem damaligen deutschen Außenminister Joschka Fischer etwa soll sie ein sehr gutes Verhältnis gehabt haben.

Darauf setzte sie auch, als die Bemühungen um eine Einigung im Kosovo-Konflikt mit dem damaligen Serben-Präsidenten Slobodan Milosevic gescheitert waren. Sie warb erfolgreich für Nato-Luftangriffe im ehemaligen Jugoslawien. Albright versuchte sich auch an den dicken Brettern der Außenpolitik, darunter bessere Beziehungen zu Russland und Frieden im Nahen Osten, konnte dabei allerdings keine großen Ergebnisse vorweisen. Albright blieb bis zum Ende von Clintons zweiter Amtszeit im Januar 2001 Außenministerin.

Aufmerksamkeit erregte auch Albrights Aufarbeitung der Geschichte ihrer Familie - von der die Politikerin jahrzehntelang gar nichts gewusst hatte. Sie wurde am 15. Mai 1937 als Marie Jana (genannt Madlenka) Korbelova in Prag als ältestes von drei Kindern einer jüdischen Diplomatenfamilie geboren. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen wanderte die Familie nach England aus, wo Albright in Unwissenheit ihrer jüdischen Herkunft katholisch erzogen wurde.

Von ihrer jüdischen Herkunft erfuhr Albright erst im Jahr 1996

Ihr Vater Josef Korbel diente nach dem Zweiten Weltkrieg der Tschechoslowakei als Diplomat. Nach der Machtübernahme der Kommunisten in Prag beantragte die Familie 1948 Asyl in den USA und wanderte aus. Von ihrer jüdischen Abstammung und dem Tod Angehöriger, darunter drei ihrer Großeltern, in Konzentrationslagern der Nazis erfuhr Albright aber erst 1996. „Ich hatte keine Ahnung, dass ich aus einer jüdischen Familie stammte, geschweige denn, dass über 20 Verwandte von mir den Holocaust nicht überlebt hatten“, schrieb sie im Buch „Winter in Prag: Erinnerungen an meine Kindheit im Krieg“.

Die Politologin heiratete 1959 ihren Studienfreund Joseph Albright, den Erben eines Medienunternehmens. Mit ihm hatte sie drei Töchter, nach 23 Ehejahren ließen sich die Albrights scheiden. Erst als ihre Kinder schon größer waren, begann Albright 1975 ihre politische Karriere. Zunächst arbeitete sie für einen Senatoren, dann im Weißen Haus als Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsrats. Ab 1982 lehrte sie in Washington an der renommierten Universität Georgetown und beriet verschiedene demokratische Kandidaten - darunter Clinton, der sie nach seinem Wahlsieg Ende 1992 umgehend an Bord holte.

Im ägyptischen Scharm El-Scheich: Bill Clinton, damaliger Präsident der USA, bespricht sich am 17.10.2000 mit der damaligen Außenministerin Madeleine Albright, bevor er die Abschlusserklärung des Nahost-Gipfels abgibt.
Im ägyptischen Scharm El-Scheich: Bill Clinton, damaliger Präsident der USA, bespricht sich am 17.10.2000 mit der damaligen Außenministerin Madeleine Albright, bevor er die Abschlusserklärung des Nahost-Gipfels abgibt. AP/dpa/Jerome Delay

Auch nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung 2001 und der Rückkehr als Professorin an die Universität Georgetown zog Albright sich nicht aus der Politik zurück. Sie gründete eine globale Beratungsfirma, die auch Joschka Fischer zu ihren Experten zählte. Zudem meldete sie sich immer wieder mit beißender Kritik an der Außenpolitik zu Wort, etwa zum von Präsident George W. Bush angezettelten Irak-Krieg. Vor der Präsidentenwahl 2008 hatte Albright zunächst auf die Demokratin Hillary Clinton gesetzt, unterstützte dann aber den siegreichen Barack Obama. Dieser verlieh ihr 2012 als Präsident die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA.