Der Jahresbericht der Bundesdrogenbeauftragten. Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Zusätzliche Risiken für Raucher, Schwierigkeiten bei Suchthilfe-Angeboten vor Ort: Die Corona-Krise verschärft den Kampf gegen Gesundheitsschäden durch Drogen. „Jedes Jahr versterben auch ohne Corona 127 000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums“, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), bei der Vorlage ihres Jahresberichts. Dazu komme nun ein erhöhtes Risiko für schwere Corona-Verläufe bei Rauchern. Trotz der Alltagsbeschränkungen gegen das Virus müssten Beratungsstellen und Suchtkliniken für Drogenabhängige offen bleiben. Im neuen Jahr sollen neben Tabak auch zunehmende Probleme mit Kokain stärker ins Visier. Ein Überblick.

Alkohol und Tabak

Rauchen und Alkohol richteten nach wie vor mit Abstand die größten Gesundheitsschäden an, sagte Ludwig in Berlin - auch wenn der Konsum insgesamt zurückgehe. Die neue Zahl von jährlich 127.000 Tabak-Toten sei noch um 6000 höher als nach vorherigen Daten von 2015. Um vor allem Jugendliche zu schützen, ist ab 1. Januar 2021 Kinowerbung fürs Rauchen tabu, wenn ein Film für unter 18-Jährige frei ist. Schluss sein soll dann auch mit Gratis-Proben etwa bei Musikfestivals und Tabakprodukten als Gewinnen bei Preisausschreiben. Ab 2022 soll ein schrittweises Reklameverbot auf Plakatwänden folgen. Stärker ansprechen will Ludwig auch Raucher, die aufhören möchten.

Cannabis

Zunehmender Konsum von Cannabis besonders auch bei jüngeren Leuten ist seit längerem ein Thema - ebenso wie der Streit um eine Legalisierung. Was das verändern würde, werde extrem unterschiedlich bewertet, sagte Ludwig - und machte klar: Bis zur Bundestagswahl im Herbst 2021 werde es dazu in keiner Richtung eine Entscheidung geben. FDP-Experte Wieland Schinnenburg forderte dagegen eine Neuausrichtung der Cannabispolitik: „Wir brauchen eine kontrollierte Abgabe. Das würde den Schwarzmarkt ausdünnen und durch Steuereinnahmen mehr Geld für eine wirksame Prävention bereitstellen.“

Kokain

Es sei davon auszugehen, dass derzeit so viele illegale Stoffe auf dem deutschen Markt unterwegs seien wie nie, erläuterte die Bundesbeauftragte - neue synthetische Drogen, aber vor allem auch Kokain. Das sei keine Substanz mehr für wenige, die es sich leisten könnten, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Im neuen Jahr sei vorgesehen, mehr Erkenntnisse über Konsumverhalten und Konsumenten zu gewinnen, um zielgerichteter Vorbeugung zu machen.

Ersatzstoffe

Die Minimierung von Gesundheitsschäden bei Abhängigen müsse eine viel größere Rolle spielen, sagte Ludwig. Im Blick steht dabei auch das Nasenspray Naloxon, das etwa bei Überdosierungen von Heroin Leben retten könne. Nach einem erfolgreichen Modellprojekt in Bayern solle Anfang 2021 ein bundesweites Vorhaben ausgeschrieben werden. Grünen-Fachpolitikerin Kirsten Kappert-Gonther forderte, es müssten mehr Opioid-Anhängige Zugang zu Substitutionstherapie haben. Die Zahl der Drogentoten war - wie schon mitgeteilt - 2019 gestiegen. Wegen Konsums illegaler Substanzen starben 1398 Menschen - 122 mehr als 2018. Häufigste Ursache: Überdosierungen von Opioiden wie Heroin.

Kinder

Kommen sollen Neuregelungen, um Kinder suchtkranker Eltern bessere Unterstützung zu ermöglichen - meist geht es um Familien mit Alkoholproblemen. So sollen sich betroffene Kinder und Jugendliche künftig auch ohne Kenntnis und Zustimmung der Eltern für Hilfe an das Jugendamt wenden können, wie Ludwig erläuterte. Unterstützung soll früher möglich sein, Ärzte und Jugendämter sollen enger kooperieren. Entsprechende Pläne sollen nächste Woche ins Bundeskabinett kommen.