Die Inflation bei Lebensmitteln beträgt inzwischen offiziell 16,8 Prozent.
Die Inflation bei Lebensmitteln beträgt inzwischen offiziell 16,8 Prozent. imago

Viele Verbraucher können nicht mehr: Inflationsraten um die 10 Prozent, bei Nahrungsmitteln betrug sie zuletzt sogar 16,6 Prozent, und die Preise für Energie steigen laut Statistischem Bundesamt sogar um 35,6 Prozent. In solchen Krisenzeiten sind Kunden auf einigermaßen stabile Preise für Grundnahrungsmittel angewiesen – wenn sich Luxusartikel ohnehin kaum noch jemand leisten kann. Tatsächlich kommen Supermarkt-Ketten Verbrauchern mit Spar- und Aktionspreisen entgegen, legen sich auch mit Lieferanten an, die die Situation für teils überzogene Preisanpassungen ausnutzen.

Doch auf der anderen Seite langen die Supermarkt-Konzerne auch bei ihren Kunden zu, teils so, dass diesen beim Einkauf gar nicht klar ist, dass sie mehr für das gleiche Produkt bezahlen. So berichtet Britta Schautz, Expertin bei der Verbraucherzentrale Berlin, dass Verpackungen plötzlich weniger Füllmenge enthalten. Im RBB fordert Schautz, dass die Politik solchen versteckten Preiserhöhungen entgegenwirken müsse. Diese Methode hat inzwischen schon einen englischen Namen: Von Shrinkflation (von Englisch shrink: schrumpfen) sprechen Experten.

Shrinkflation: Heimliche Preiserhöhung bei Aldi, Lidl, Rewe & Co.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte diese Masche bereits Ende Juni benannt und freche Beispiele bei Discountern, aber auch anderen Supermärkten und sogar Biohändlern genannt. Mit dem Shrinkflations-Trick verstecken die Händler Preiserhöhungen von bis zu 35 Prozent. Dabei lehnen die Verbraucherexperten die Verringerung der Portionen nicht grundsätzlich ab, es sei aber nötig, dass die Hersteller dies fair gegenüber Kunden kommunizieren, etwa durch die sichtbare Reduzierung der Verpackungsgröße.

Die steigenden Preise haben viele Verbraucher zum Verzicht nicht nur auf Luxusgüter, sondern auch gesunder und nachhaltig produzierter Nahrungsmittel gezwungen. So ist die zuvor steigende Nachfrage nach Bioprodukten seit Beginn der Inflationswelle im März brutal um 18 Prozent eingebrochen. Britta Schautz von der Berliner Verbraucherzentrale rechnet damit, dass sich dieser Rückgang in den kommenden Monaten nochmals verstärkt. Einige Händler haben auf diese Entwicklungen in der Zwischenzeit wiederum mit Preissenkungen reagiert: So war der Preis bei Biomilch-Eigenmarken der Discounter zunächst teils um satte 60 Prozent gestiegen, wurde in der Zwischenzeit wieder abgesenkt, offenbar um Stammkunden bei Laune zu halten.

Auch Drogerien, Gaststätten und Werkstätten erhöhen die Preise

Wirtschaftsexperten rechnen allerdings damit, dass die Inflation auch weitere Branchen erfassen wird, deren Produkte sich bislang noch kaum verteuert hatten. So planen laut Ifo-Institut 92 Prozent der Drogerien Preiserhöhungen, 90 Prozent der Blumen- und Pflanzenhändler und jeweils 80 Prozent der Fahrrad und Schreibwarenhändler. Fast alle Gaststätten erhöhen die Preise weiter.

Auch Autofahrer müssen mit steigenden Werkstattkosten und teureren Ersatzteilkosten rechnen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hacht dafür in erster Linie die Autohersteller verantwortlich. „Autofahrer und Werkstätten können viele Ersatzteile nur vom Hersteller des Autos kaufen, es gibt auf diesem Markt keinen freien und fairen Wettbewerb“, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.