Die normale Mehrwertsteuer sinkt von 19 auf 16, die ermäßigte - unter anderem für Lebensmittel - von 7 auf 5 Prozent. 

Düsseldorf  - Die bis Jahresende geltende Mehrwertsteuersenkung hat schon vor ihrem offiziellen Inkrafttreten am Mittwoch einen neuen Preiskampf im Lebensmittelhandel ausgelöst. Vorreiter war  Discounter Lidl, der schon mehr als eine Woche vor dem offiziellen Stichtag die Preise reduzierte. An den Regalen  prangt seit dem 22. Juni für jedes der Produkte ein rotes Schild mit dem alten und dem neuen Preis:„ Billiger!“ Konkret: Dosentomaten kosten jetzt 38 statt 39 Cent, Fischstäbchen 3,42 statt 3,49 Euro.

Das Vorpreschen von Lidl war nur der Auftakt:  Aldi senkte am Sonnabend die Lebensmittelpreise. Sie werden grundsätzlich ermäßigt mit 7 Prozent besteuert, Aldi reduziert aber nicht nur wie vom Gesetzgeber vorgegeben um 2, sondern um 3 Prozentpunkte auf 4 Prozent. Dies koste Aldi einen dreistelligen Millionenbetrag, erklärte das Unternehmen. 

Rewe will die Steuersenkung vollständig an die Kunden weitergeben, geht aber einen anderen Weg. Statt bei allen Produkten das Minus eins zu eins weiterzugeben, senkt Rewe die Preise bei ausgewählten Produkten und wirbt  mit dem Slogan „Mehr als die Mehrwertsteuersenkung sparen“.  

Edeka senkte schon am Montag die Preise. Für eine Vielzahl der Produkte runde die Supermarktkette die Verkaufspreise - nach Abzug der steuerlichen Vorteile - zugunsten der Kunden ab, erklärt das Unternehmen. 

Abseits des Lebensmittelhandels  verzichten  viele Händler auf einen Frühstart und warten den Mittwoch ab, um die bei ihnen mögliche Steuersenkung von 19 auf 16 Prozent weiterzugeben. Das gilt etwa für die dm-Drogeriemärkte, Deichmann-Schuhläden, Media Markt und Saturn.

Aufmerksam sein müssen die Kunden beim Shoppen bei Amazon. Verkäufer auf dem Amazon Marketplace können selbst entschieden, ob sie den Preisnachlass weitergeben.  

Für den Handelsexperten Stephan Rüschen sieht eine Schlacht kommen: „Die Steuersenkung erhöht die Gefahr eines Preiskrieges.“ Dass der Preis plötzlich im Lebensmittelhandel wieder ein heißes Thema ist, hat aber nicht nur mit der Steuersenkung zu tun.  „Händler rücken den Preis wieder stärker in den Vordergrund, weil sie damit rechnen, dass die Verbraucher aufgrund der wirtschaftlichen Verwerfungen bald wieder stärker auf den Cent achten“, erklärt Robert Kecskes von der Gesellschaft für Konsumforschung.

Ansonsten ist es kein Muss, dass Händler, Friseure, Handwerker oder Gastronomen die Steuersenkung weitergeben - viele brauchen nach der  Corona-Durststrecke  Geld. Es steht ihnen frei, ihre Preise beizubehalten und dadurch ihre Gewinnspanne zu erhöhen. Bei einer Umfrage gab jeweils rund ein Fünftel der befragten Händler an, die Steuersenkung nicht oder nur teilweise weitergeben zu wollen. Ein weiteres Fünftel war noch unsicher.