Wer mit Covid-19 auf der Intensivstation landet, muss oft wochenlang beatmet werden und schwebt in Lebensgefahr. Foto: Mehdi Chebil / imago images

Berlin - Die  befürchtete „zweite Welle“ von Corona-Infektionen hat Deutschland nach Einschätzung des Ärzteverbandes Marburger Bund bereits erfasst. „Wir befinden uns schon in einer zweiten, flachen Anstiegswelle“, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna.

Sie sei aber nicht vergleichbar mit den Zahlen von März und April. Dennoch steige die Zahl der Neuinfektionen. „Damit besteht die Gefahr, dass wir die Erfolge, die wir bislang in Deutschland erzielt haben, in einer Kombination aus Verdrängung und Normalitätssehnsucht wieder verspielen“, warnte Johna in der Augsburger Allgemeinen.

Die Krankenhäuser seien vorbereitet, sagte sie. Anders als bei der ersten Welle sollen Krankenhausbetten nicht pauschal, sondern am Bedarf orientiert freigehalten werden. „Weil sich das Pandemiegeschehen langsam aufbaut, müssen wir für Covid-19-Patienten gestuft Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen,  eine zeitliche Staffelung einführen.“ 

Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bunds. Foto: Jürgen Heinrich/imago images

In der Praxis wird nach Angaben des Marburger Bundes in Stufe 1 eine geringere Anzahl an Intensivbetten freigehalten. Sind diese belegt, tritt 24 Stunden später Stufe 2 in Kraft, und die Kapazitäten in den Intensivstationen werden erweitert. „So geht das Schritt für Schritt weiter, bis man dann in der höchsten Alarm- und Ausbaustufe alle für Covid-19-Patienten verfügbaren Intensivkapazitäten ausschöpft.“

Johna mahnte eindringlich, die Hygieneregeln einzuhalten und Masken zu tragen. Sie verglich die Maske mit der Einführung des Sicherheitsgurtes im Auto, wogegen es damals auch Widerstand gegeben habe. Heute fühlten sich viele Menschen von einer Maskenpflicht bevormundet. Aber das Gegenteil sei der Fall: So wie der Gurt Leben rette, so tue es der Mundschutz.