Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU,r) spricht mit Emmanuel Macron (l), Präsident von Frankreich, und Charles Michel, Präsident des Europäischen Rats, vor einem Treffen am runden Tisch im Rahmen des EU-Gipfels.  Foto: Francisco Seco/AP Pool/dpa

Ja, es gibt Kritik an der Einigung von Brüssel. Ja, einige Tadel dürften gut begründet sein. Und doch: Trotz aller Zugeständnisse an die Knauserer-Staaten dürfte  sich das Trio der drei M - Merkel, Macron, Michel - insgeheim auf die Schulter klopfen. Denn man wird angesichts der allseits geäußerten Zufriedenheit über den Kompromiss den Eindruck nicht los, dass die drei M ziemlich genau das bekommen haben, was sie wollten.  

500 Milliarden Euro nicht rückzahlbare Zuschüsse für die von Corona nicht nur wirtschaftlich besonders hart getroffenen Länder wie Italien und Spanien: Mit diesem Vorschlag waren Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron ins Rennen gegangen. Dann redeten die Staatschefs unter Vermittlung von EU-Ratspräsident Charles Michel, redeten, redeten, redeten, und herausgekommen sind 390 Milliarden. 

Da freuten sich die Knauserer Österreich, Niederlande, Schweden und Dänemark, weil sie gleichzeitig größere Rabatte beim EU-Haushalt herausholten - der deutsche Rabatt bleibt gleich. Dabei kann es gut sein, dass die Nordeuropäer mentalitätsbedingt die alte Basar-Weisheit nicht berücksichtigt haben: Mit dem Preis hoch rangehen, dann mit gequältem Gesichtsausdruck runterhandeln lassen und trotz 80 Prozent „Nachlass“ noch Gewinn machen. 

Die Gesamtbewertung ist dennoch zwiespältig. Einerseits wurde ein Ergebnis erzielt, das helfen wird. Andererseits zeugen die Hartleibigkeit der Knauserer und ihr Besserwissertum gegenüber den Südländern von wenig Voraussicht. Sollten sie einmal in echte Not geraten (und wer hätte vor einem Jahr geahnt, dass Teile Italiens und Spaniens zu Beinhäusern würden?), werden sie kaum Solidarität erwarten können. Keine guten Aussichten für die EU.