Coronaviren (blau) unter dem Elektronenmikroskop. Foto: AFP/National Institutes of Health

Noch zögern etliche Bundesländer, die Corona-Notbremse zu ziehen. Und die Infektionszahlen schnellen immer bedrohlicher in die Höhe. Die Rufe nach einem schnellen harten Lockdown werden lauter.

Und auch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sprach sich für ein härteres Vorgehen aus - allein schon aus Angst vor einer möglichen Super-Mutante:  „Wenn jetzt parallel zum Impfen die Infektionszahlen wieder rasant steigen, wächst die Gefahr, dass die nächste Virus-Mutation immun wird gegen den Impfstoff“, sagte er der Bild am Sonntag. Im Falle einer solchen Mutation „stünden wir wieder mit leeren Händen da“, so Braun weiter. Dann bräuchte es neue Impfstoffe.

Hohe Corona-Infektionszahlen gefährlich

Eine Gefahr, vor der auch die Physikerin und Modelliererin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation warnt. Sogenannte Escape-Varianten des Virus, die Impfungen hinfällig machen oder ihre Wirkung reduzieren könnten, entwickelten sich dort, wo viele Menschen schon geimpft seien, erklärte Priesemann in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“.

Die Physikerin Viola Priesemann warnt eindringlich vor der Gefahr neuer Virus-Mutationen. Foto: Imago/Jürgen Heinrich

Escape-Viren auch bald bei uns?

Es handle sich um Viren, die es schafften, den Immunschutz der Impfung zu umgehen. „Es gibt erste Erkenntnisse, dass manche der Virus-Varianten das zumindest zum Teil schon können“, sagte Priesemann und meint die südafrikanische (B.1.351) und die brasilianische Variante (P.1), gegen die die verfügbaren Impfstoffe weit weniger gut zu wirken scheinen.

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Wenn viele geimpft seien und es gleichzeitig eine hohe Inzidenz gebe, „dann züchten wir uns hier in Deutschland diese Escape-Varianten“, sagte Priesemann mit Blick auf den bevorstehenden Sommer. 

Am Anfang der Pandemie war noch nicht klar, wie effektiv es dem Virus gelingen würde, der Immunantwort auszuweichen, erklärt der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth im Deutschlandfunk. Das hätten erst die südafrikanische (B.1.351) und die brasilianische Variante (P.1) jedoch deutlich gezeigt.

Es werde schwer werden, die Herdenimmunität zu erreichen, schätzt Wildermuth. Dafür müssten 60 bis 70 Prozent der Weltbevölkerung geimpft sein – ohne dass sich das Virus gleichzeitig weiterverbreitet. Dass wir „einfach“ alle einmal durchimpfen und so die Pandemie auf einen Schlag loswerden – so leicht wird es leider nicht sein.