Sergej Tichanowski  im Wahlkampf 2020. Dabei wurde er verhaftet.  Foto: AP/dpa/Sergej Grits

Die starken Männer haben eine Scheißangst und die Hosen voll. Bis zum Kragen. Nur so ist zu erklären, was sich in manchen Staaten Europas abspielt, und was abgesehen vom Fehlen des Genickschusses an stalinistische Methoden erinnert.

18 Jahre verschärfte Lagerhaft verhängt ein Gericht in Belarus gegen Sergej Tichanowski, der es gewagt hatte, gegen den Machthaber Alexander Lukaschenko bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. 

Parallel gibt es in Russland einen Prozess gegen die Organisation Memorial, die sich so engagiert wie offenkundig erfolglos für Menschenrechte und die Aufarbeitung der blutigen Stalinzeit einsetzt.

Präsident Wladimir Putin gab dem Gericht schon mal die Linie vor, Memorial habe „demonstrative Rechtsverstöße“ begangen.

Dabei will die Organisation lediglich nicht als „ausländischer Agent“ diffamiert werden, weil sie auch von außerhalb Russlands finanziell unterstützt wird. 

Die starken Männer und ihre willfährigen Richter zeigen mit ihrer selbst für Pseudodemokratien und Diktaturen grotesken Verfolgung von Unbequemen, dass sie Angst haben. Sie wollen um jeden Preis verhindern, dass an ihren Stuhlbeinen gesägt wird.

Bei Putin ist das besonders bedrohlich, weil er im Gegensatz zu Lukaschenko nicht nur nach innen Druck ausüben kann, sondern über ein militärisches Instrumentarium verfügt, dessen Bedrohungspotenzial er gegenwärtig unverhohlen gegen die Ukraine einsetzt.

Offenbar denken beide Herren, mit dem Habitus des Schulhofschlägers ihre Macht erhalten zu können. Vermutlich, und das ist das Trostlose, haben sie damit sogar Erfolgsaussichten und werden zum Vorbild anderer Staatschefs, die sich zu Größerem berufen fühlen.