In Pflegeheimen wird Covid 19 oft durch Personal übertragen - und kann dort verheerende Auswirkungen haben. Es braucht flächendeckend schlüssige Konzepte, viel mehr Hilfe aus der Politik und deutlich mehr Aufmerksamkeit aus der Bevölkerung. Foto: Imago Images/Ute Grabowsky

Wie ist das eigentlich, in einem Pflegeheim zu liegen und auf den Tod zu warten, möglicherweise von zahlreichen Krankheiten gezeichnet, die Familie ist entweder verstorben oder absent oder zerreißt sich zwischen den Anforderungen des Lebens und gelegentlichen Besuchen? Man möchte niemandem auf den Geist gehen mit seinen Gebrechen, den abnehmenden Fähigkeiten, dem eigenen Sterben. Eigentlich hätte man als alter Mensch mehr als genug damit zu tun, dem nahenden Tod ins Auge zu sehen.

Aber dann sind da noch die durch den Pflegenotstand überbeanspruchten Pflegekräfte, denen man ebenfalls nicht zur Last fallen will. Und nun auch noch Corona. Die erste Welle hat gezeigt, dass Deutschlands ohnehin schwerst überforderte Pflegebranche keine zusätzlichen Belastungen mehr vertragen kann. Die prozentual meisten Covid-Toten gab es in Pflegeheimen. Die Süddeutsche Zeitung berichtete vergangene Woche von einem Heim, in dem drei Viertel der Bewohner infiziert wurden, ein Drittel ist verstorben. Viele Bewohner wurden wegen Überforderung nicht einmal mehr ins Krankenhaus gebracht, sie starben in ihren Zimmern. Allein.

Nun droht die zweite Welle - doch die Politik macht sich kaum Gedanken über diese am stärksten existenziell von Covid-19 bedrohte Bevölkerungsgruppe. Ab Sonnabend gilt zudem ein Besuchsverbot in Krankenhäusern. Dort dürfen zwar Schwerstkranke, Sterbende und Kinder mit negativem Corona-Test meist phasenweise besucht werden. Die Frage ist aber, wie lange noch. Seit Tagen mehren sich bundesweit Covid-19-Ausbrüche in Altenheimen. Die Politik muss verstehen, dass wir auf keinen Fall derart unvorbereitet in den Winter gehen dürfen wie in die erste Welle. Viele Heime sind entgegen mancher Beteuerung nicht ausreichend vorbereitet. Wie sollten sie auch? Sind wir uns als Gesellschaft einig, das Thema nicht anzugehen, weil es zu unschön ist, wird die Politik sich ebenfalls aus der Affäre ziehen. Das darf kein zweites Mal passieren.