Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) macht die lückenhafte Corona-Datenlage Sorge. imago/Reiner Zensen

In Frankreich, Großbritannien und Spanien explodieren die Corona-Infektionszahlen wegen der Verbreitung der Omikron-Variante. In Deutschland ist die Lage dagegen verdächtig ruhig. Doch dieser Schein trügt, ist Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sicher.

Deutschland steuert im Blindflug in die Omikron-Welle

Er befürchtet vielmehr, dass Deutschland gerade im Blindflug auf die Omikron-Wand aus sprunghaft steigenden Ansteckungszahlen zusteuert. Schuld sind die derzeit ungenauen Melde-Daten durch die Feiertage. Gerade die Dynamik der neuen Coronavirus-Variante Omikron sei „in den offiziellen Zahlen nicht zutreffend abgebildet wegen der Testausfälle und Meldeverzögerungen“, sagte Lauterbach der Bild-Zeitung (Mittwoch).

„Ich beschaffe mir gerade mit dem RKI und zahlreichen Datenquellen aus ganz Deutschland ein Gesamtbild zur Lage.“ Seiner Schätzung nach liegt die tatsächliche Inzidenz zwei- bis dreimal so hoch wie ausgewiesen.

Wegen Weihnachten und des Jahreswechsels kommt es auch in diesem Jahr laut Robert-Koch-Institut (RKI) unter anderem bei der Weitergabe von Daten zu Verzögerungen. Es gibt Lücken bei den Gesundheitsämtern, weniger Testzentren sind geöffnet, weniger Menschen dürften sich testen lassen und auch die Tests an Schulen fallen in den Ferien weg.

Deshalb zeigen die offiziell ausgewiesenen Fallzahlen derzeit nur ein unvollständiges Bild der Corona-Lage in Deutschland. Der Zeitung zufolge will Lauterbach die Gesundheitsämter dazu bringen, schnell die Kapazitäten für Tests und Kontaktnachverfolgungen wieder hochzufahren.

Das RKI rechnet erst ab ungefähr dem 10. Januar wieder mit wirklich belastbaren Daten zum Infektionsgeschehen in Deutschland.

Deshalb solle man sich nicht in falscher Sicherheit wiegen lassen, das belege die Entwicklung in anderen Ländern eindrücklich, warnt Modellierer Dirk Brockmann von der Humboldt-Universität Berlin. „Es kann plötzlich ganz schnell losgehen und dann sehr stark.“

Die Alarmzeichen sind bereits da: Innerhalb eines Tages war die Zahl der an das RKI übermittelten sicher nachgewiesenen und wahrscheinlichen Omikron-Fälle in Deutschland stark gestiegen – um 45 Prozent im Vergleich zum Vortag. Das teilte das RKI am Dienstag mit. Insgesamt sank die offiziell gemeldete Sieben-Tage-Inzidenz zwar weiter auf 205,5 (Vortag: 215,6). Doch für die laufende Woche rechnet das Institut mit einer „hohen Anzahl an Neu- und Nachmeldungen“. In Deutschland wird nur ein kleiner Teil der positiven Testproben auf Varianten hin untersucht.

Antigen-Tests erkennen Omikron-Variante nicht so gut

Der Kampf gegen die Omikron-Variante könnte nun auch dadurch erschwert werden, dass Antigen-Tests die Mutation offenbar nicht so gut erkennen wie frühere Varianten, wie die US-Gesundheitsbehörden melden. „Erste Daten deuten darauf hin, dass Antigen-Tests die Omikron-Variante zwar erkennen, aber möglicherweise eine geringere Empfindlichkeit aufweisen“, erklärte die US-Arzneimittelbehörde (FDA) dazu.

Die Empfindlichkeit ist ein Maß dafür, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Test bei einer bestehenden Infektion ein positives Ergebnis anzeigt. Die US-Studien zum Thema seien allerdings noch nicht abgeschlossen, hieß es.

Die Verwendung von Antigen-Tests werde aber weiterhin empfohlen, so die FDA weiter. Allerdings sollten die Menschen die offiziellen Anweisungen beachten. Bei einigen der sogenannten Schnelltests werden die Benutzer beispielsweise angewiesen, zwei Tests im Abstand einer bestimmten Zeitspanne durchzuführen, um einen negativen Befund zu bestätigen.

Wenn eine Person mit einem Schnelltest negativ getestet wurde, aber aufgrund von Symptomen oder ihrer Nähe zu Infizierten wahrscheinlich an Covid erkrankt ist, wird ihr dennoch empfohlen, einen PCR-Test zu machen – der „Goldstandard“ beim Erkennen von Corona-Infektionen.