Die Produktion des Ford Fiesta endet offiziell Mitte 2023. Es wird keinen direkten Nachfolger geben. Gemunkelt wird, dass der geplante elektrische Ersatz größer wird.
Die Produktion des Ford Fiesta endet offiziell Mitte 2023. Es wird keinen direkten Nachfolger geben. Gemunkelt wird, dass der geplante elektrische Ersatz größer wird. dpa/Oliver Berg

In engen Parkhäusern bekommt man die Entwicklung am deutlichsten mit: Auf einen freien Platz zwischen zwei SUV-Dickschiffen kann man vielleicht noch fahren, aber nicht mehr aussteigen.  Angebot und Verkauf der Riesen-Karossen wachsen, die der Klein- und Kleinstwagen schrumpfen oder wachsen auf niedrigem Niveau. Gerade deutsche Hersteller setzen auf automobiles Fett und liefern Autogegnern Argumente.  

In Deutschland meldete das Kraftfahrt-Bundesamt im Dezember einen Rückgang bei Kleinwagen wie dem Opel Corsa von 4,1 Prozent, der Anteil an den Neuzulassungen landete bei 9,6 Prozent. Kleinstwagen wie dem Fiat 500 gelang zwar ein Plus von 15,7 Prozent – aber nur auf 7,1 Prozent. SUVs erzielten dagegen satte 34 Prozent. 

Kleine Autos als Vorreiter der Elektrifizierung?

Der Branchenverband VDA sieht dennoch einen positiven Effekt. An Kleinwagen habe es bis kurz vor Ende 2022  über 420.000 Neuzulassungen gegeben, zu fast einem Drittel mit E-Antrieb. Folgerung der Autolobby: „In Deutschland ist insbesondere bei batterieelektrischen Pkw der Anteil von Klein- und Kleinstwagen sehr hoch.“

Seit die E-Mobilität auch dank Zuschüssen Fahrt aufgenommen habe, gewännen kleine Fahrzeuge sogar eher an Bedeutung. Jedoch muss man das in Relation zu anderen Segmenten wie SUVs, Gelände- oder Sportwagen sehen – und die Zukunft der Förderung von E-Autos ist ungewiss.

Wer ein großes Auto teuer verkauft, macht einen größeren Gewinn als mit einer kleinen Kiste. Das dürfte dazu führen, dass deren Angebot weiter geschmälert wird, weil die Rendite schwach ist.  Mit den Kleinen verdienen Hersteller nur gut, wenn diese sehr hohe Absatzzahlen erreichen.

Zahl der Kleinstwagen-Baureihen hat sich halbiert

Doch die Zahl angebotener Baureihen schrumpft. Bei den Kleinstwagen halbierte sie sich auf dem deutschen Markt binnen eines Jahrzehnts von 24 auf zwölf. Autos wie Ford Ka, Opel Adam oder Citroën C1 liefen aus, auch Audis A1 verschwindet. Audi-Chef Markus Duesmann: „Wir werden unsere Modellpalette nach unten begrenzen und nach oben erweitern.“

SUVs und Geländewagen machen sich nicht nur auf der Straße, sondern auch in der Statistik breit. Die Grafik zeigt den Anteil der verschiedenen Auto-Typen an den Neuzulassungen in Prozent.
SUVs und Geländewagen machen sich nicht nur auf der Straße, sondern auch in der Statistik breit. Die Grafik zeigt den Anteil der verschiedenen Auto-Typen an den Neuzulassungen in Prozent. Grafik: dpa. Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

Das Blatt weist darauf hin, dass bis auf VW alle anderen Kleinstwagen-Reihen mit Fiat, Renault, Hyundai/Kia, Toyota oder Suzuki aus dem Ausland kommen. Zuletzt war der VW Up nicht mehr als Verbrenner zu bestellen, und auch die E-Variante wegen vorgeblichen Chipmangels nicht durchgängig. 

„Die SUVisierung ist weltweit erkennbar“, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. „In der Oberklasse bleibt der Verkaufstrend stark, Marktanteile dürften sich weiter von unten nach oben verschieben.“ Benedikt Maier vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen erklärt: „In Zeiten von Rohstoffengpässen ist es eine logische unternehmerische Entscheidung, in erster Linie die margenstarken Produkte zu bringen.“

Teuerung bei den kleinen Autos stärker als bei den großen

Die  Verteuerung von Energie und Metallen seit Beginn des Ukraine-Kriegs und von Elektronik-Bauteilen seit der Corona-Krise trägt dazu bei. „Die Preiserhöhungen der Hersteller erfolgten zuletzt in kürzeren Intervallen und in höherem Ausmaß“, sagt Maier. 

Das geringere Angebot an kleinen Autos habe aber gerade ihre Preise anziehen lassen. Für ihre Dickschiffe reservierte die Branche hingegen gern die erhältlichen Chipkontingente. Aus dem VW-Konzern war zu hören, dass man deshalb „ein paar Polos, Fabias und Ibizas weniger gebaut“ habe.   

Benedikt Maier: „Ich gehe nicht davon aus, dass die etablierten deutschen Hersteller mittelfristig aktiv das Klein-  und Klienstwagen-Segment erschließen wollen."