Fleißig, fleißig: Deutsche Arbeiter packen an und holen das Land aus der Corona-Wirtschaftskrise. Foto: dpa/Jens Büttner

Berlin - Die neuen Wirtschaftsdaten sind ermutigend: Deutschland kommt überraschend gut aus dem Corona-Tal. Verglichen mit Frankreich, England oder Italien schlagen sich deutsche Unternehmen tapfer durch die Pandemie-Rezession. Das Ausland blickt neidisch auf diese Leistung und fragt sich: Wie schaffen die Deutschen das?

Nach dem tiefen Einbruch im zweiten Quartal hat sich die deutsche Wirtschaft im Juli und August spürbar erholt. Selbst die „ins Stocken geratenen Brexit-Verhandlungen und die steigenden Corona-Infektionszahlen konnten die positive Stimmung nicht bremsen“, heißt es beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Das Statistische Bundesamt beobachtet in vielen deutschen Branchen eine V-förmige Entwicklung - also einen deutlichen Anstieg von Produktion und Absatz nach dem herben Absturz vor allem im April. 

Zwei Beispiele: Das Gastgewerbe, das besonders hart vom Lockdown getroffen war, arbeitet sich allmählich aus dem Corona-Loch. Es verbuchte von Juni auf Juli 2020 preisbereinigt ein Umsatzplus von 21,9 Prozent. Auch die deutsche Export-Wirtschaft verzeichnete zuletzt drei Monate in Folge steigende Ausfuhrzahlen. 

Experte: Unternehmen wirtschaften vorbildlich

Dass viele Unternehmen in der mittelständisch geprägten deutschen Wirtschaft vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind, hat laut Deutschem Sparkassen- und Giroverband auch mit der Vorsorge aus den Boom-Jahren nach der Finanzkrise 2008/2009 zu tun. „Viele Unternehmen haben in den vergangenen guten Jahren vorbildlich gewirtschaftet, Gewinne wurden überwiegend im Unternehmen gelassen“, so DSGV-Präsident Helmut Schleweis.

Die Corona-Krise traf in Deutschland auf eine stabile Wirtschaft ohne gravierende Strukturprobleme. Auch gibt es keine so starke Abhängigkeit vom Tourismus wie in den EU-Staaten Frankreich, Spanien und Italien. Diese Länder zählen zu den attraktivsten Urlaubszielen weltweit - und wurden daher hart von den Reise-Restriktionen getroffen. 

Nicht zuletzt hatte der deutsche Staat in der Krise genug Geld für Corona-Rettungsmaßnahmen. Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, schnürte die Bundesregierung ein 130 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket. So wurde die Mehrwertsteuer vom 1. Juli an für ein halbes Jahr gesenkt. Eltern erhalten zudem einmalig 300 Euro pro Kind. Steuersenkung und „Kinderbonus“ sollen den Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur anschieben.

Minister: Corona-Talsohle durchschritten

Laut Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist die Corona-Talsohle in Deutschland durchschritten. Dieser Optimismus zeigt sich in einer korrigierten Prognose für das Bruttoinlandsprodukt: Die Bundesregierung geht für das Gesamtjahr nicht mehr von einem BIP-Rückgang um 6,3 Prozent aus. Sie veranschlagt nun minus 5,8 Prozent. 

Hoffnung auf einen weiteren Aufschwung machen jüngste Daten aus dem wichtigen Absatzmarkt China: In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt setzte sich im August der Aufwärtstrend fort, Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze entwickelten sich besser als erwartet. Die Produktion in der Industrie stieg nach Angaben des Statistik-Amts in Peking im August zum Vorjahr um 5,6 Prozent. Der Einzelhandelsumsatz legte in dem Monat zum Vorjahr um 0,5 Prozent zu - und damit zum ersten Mal seit dem Einbruch in der Corona-Pandemie. (mit dpa)