Stillstand in Deutschland? Die Wirtschaftsleistung ist dramatisch eingebrochen. Foto: Imago Images/Ralph Peters

Die deutsche Wirtschaft hat auf dem Höhepunkt der Corona-Krise einen noch nie da gewesenen Einbruch erlebt. Das belegen neue, dramatische Erkenntnisse des Statistischen Bundesamts. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 10,1 Prozent. Das sei der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnungen im Jahr 1970. 

Europas größte Volkswirtschaft steckt in einer tiefen Rezession. Zwischen April und Juni sind die Exporte und Importe erheblich eingebrochen, die privaten Konsumausgaben und die Investitionen der Unternehmen ebenfalls. Im Vorjahresvergleich brach die Wirtschaftsleistung sogar um 11,7 Prozent ein. Den bisher stärksten Rückgang gegenüber einem Vorjahresquartal hatte es in der Finanzkrise im zweiten Quartal 2009 gegeben (-7,9 Prozent).

Volkswirte gehen davon aus, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr anzieht, vorausgesetzt die Infektionszahlen steigen nicht wieder deutlich an. Laut DIW stehen die Zeichen „eindeutig auf Erholung“. Es werde aber zwei Jahre dauern, bis der historische Einbruch wettgemacht sei.

Was bringt das Konjunkturpaket?

Der Bundesbank zufolge dürfte der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Aktivität bereits im April erreicht worden sein. Im zweiten Halbjahr werde sich die wirtschaftliche Erholung fortsetzen. „Dazu wird auch das zuletzt beschlossene Konjunkturpaket beitragen“, so die Experten. Die Bundesregierung hat für 2020 und 2021 ein 130 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket aufgelegt. Die Mehrwertsteuer wurde vom 1. Juli an gesenkt.

Die Regierung rechnet trotz der erwarteten Erholung im Gesamtjahr mit der schwersten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie ging zuletzt von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 6,3 Prozent aus. Ähnlich düster sind andere Vorhersagen. In der Finanzkrise 2009 war das deutsche BIP um 5,7 Prozent geschrumpft.

Die Folgen der Corona-Krise zeigten sich im Monat Juli auch auf dem Arbeitsmarkt – aber nicht mehr so stark wie in den Vormonaten. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland stieg von Juni auf Juli in einem Ausmaß, das für die Sommer-Saison nicht untypisch ist. Im Juli waren 2,91 Millionen Menschen ohne Job, 57.000 mehr als im Juni und 635.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent.

Kurzarbeit verhindert Arbeitslosigkeit

„Der Arbeitsmarkt steht wegen der Corona-Pandemie nach wie vor unter Druck, auch wenn sich die deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs befindet“, sagt Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit. „Der massive Einsatz von Kurzarbeit hat stärkere Anstiege der Arbeitslosigkeit verhindert.“

Im Mai erhöhte sich die Zahl der Menschen in Kurzarbeit auf 6,7 Millionen in Deutschland. Im April hatte die Zahl noch bei 6,1 Millionen gelegen. Damit war im Mai die höchste jemals ermittelte Zahl von Kurzarbeitern erreicht. Im März waren 2,46 Millionen Menschen in Kurzarbeit.

Im Juli zeigten Unternehmen für 190.000 Menschen Kurzarbeit an. Damit ging die Zahl nach dem massiven Anstieg im März und April weiter deutlich zurück. (mit dpa)