In den Kneipen floss während des Corona-Lockdowns kein Bier. Foto: Imago Images/Ralph Peters

Die Corona-Krise hat den Brauereien in Deutschland das erste Halbjahr gründlich verdorben. Die Betriebe setzten mit 4,3 Milliarden Litern noch einmal weniger Bier ab als in den Jahren zuvor. Die Menge lag demnach 6,6 Prozent unter dem Vergleichszeitraum im ohnehin schwachen Vorjahr. Das entspricht gut 300 Millionen Litern Bier.

Vor allem in den Monaten April (minus 17,3 Prozent) und Mai (minus 13,0 Prozent) lag der Absatz unter den Vergleichswerten aus 2019. Bars und Restaurants waren wegen des Corona-Lockdowns geschlossen, Feste und Großveranstaltungen wurden abgesagt. Mit den neuen Lockerungen hat sich der Bierabsatz dann aber spontan wieder erholt – und lag im Juni nur noch 1,9 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Der Gerstensaft läuft wieder.

Grafik: BK/Galanty; Quelle: Destatis, Zahlen gerundet

Der Chef des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele, erwartet gleichwohl tiefgreifende Veränderungen in der Gastronomie. „Viele Kneipen, Bars, Clubs und Restaurants werden aufgeben müssen. Auch bei Tourismus, Tagungen, Events und Geschäftsreisen wird es wohl dauerhaft zu harten Einschnitten kommen“, sagt er.

Veltins steigert Flaschenverkauf

Längst nicht alle Brauereien konnten das Minus beim Fassbier mit dem verstärkten Verkauf von Flaschenbier ausgleichen. Hier profitierten vor allem bundesweite Marken wie die Veltins-Brauerei, die den Flaschenabsatz um zehn Prozent gesteigert hat. Chef Michael Huber rechnet mit heftigen Problemen bei kleineren Wettbewerbern: „Für regionale Brauereien, die stark vom Gastronomie-Direktgeschäft gelebt haben, wird die Luft jetzt richtig dünn.“

Laut Brauerbund nutzen die meisten Betriebe die Kurzarbeit und mehrheitlich auch die in der Corona-Krise eingeräumte Stundung der Biersteuer. Laut einer Verbandsumfrage bezeichneten aber nur 16 Prozent der Brauereien die staatliche Unterstützung als ausreichend. Veltins-Manager Huber weist darauf hin, dass die gestundeten Steuern nachgezahlt werden müssen. Das werde für viele Brauereien noch ein großer Kraftakt.

Offen ist, wie viele kleine und mittlere Brauereien die Corona-Krise mit ihrer Existenz bezahlen werden. (mit dpa)