Der Bulle und der Bär vor der Frankfurter Börse: Das Hornvieh steht für die Hausse, anhaltend steigende Kurse, der Bär für das Gegenteil, die Baisse. Foto: imago images/Jan Hübner

In Krisenzeiten wie jetzt unter Corona-Bedingungen wird an den Finanzmärkten üblicherweise rege gehandelt – der Aktienindex Dax steht inzwischen besser da als vor einem Jahr, hat sich schnell von einem scharfen Absturz im März 2020 erholt. Davon profitierte über weite Strecken des vergangenen Jahres auch die Deutsche Börse AG, die unter anderem die öffentlich-rechtliche Frankfurter Börse betreibt. Der Dax-Konzern dürfte 2020 so viel erlöst und verdient haben wie noch nie. Am Mittwoch  veröffentlicht das Unternehmen nach Börsenschluss am Abend seine Bilanz für 2020 – und der Chef der Aktiengesellschaft, Theodor Weimer, dürfte wieder gut lachen haben.

Denn während viele Firmen unter den Lockdown-Einschränkungen ächzen, rechnen Analysten mit kräftigem Wachstum der Deutschen Börse. Im Schnitt erwarten die Experten bei den Nettoerlösen einen Anstieg zum Vorjahr um rund acht Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro. Der Gewinn sollte demnach um zehn Prozent auf rund 1,1 Milliarden Euro gestiegen sein.

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Bereinigt um Sondereffekte, darunter Ausgaben für Firmenübernahmen und für den Konzernumbau, wird ein Überschuss von etwas mehr als 1,2 Milliarden erwartet. Das wäre ebenfalls ein Plus von rund zehn Prozent gegenüber 2019. Die Aktionäre sollten davon mit einer um 23 Cent erhöhten Dividende von 3,13 Euro profitieren.

Das wären alles Rekordwerte für das Unternehmen mit weltweit 7000 Mitarbeitern, das Anleger mit Daten des Kapitalmarkts versorgt, den Handel mit Aktien, Rohstoffen oder Währungen organisiert, Transaktionen finanziell absichert und Wertpapiere verwahrt.

Theodor Weimer hat gut lachen: Die von ihm geführte Deutsche Börse macht gutes Geld.  Foto:  dpa/Andreas Arnold

Bereits im Gesamtjahr 2019 hatte die Deutsche Börse einen Gewinn auf Rekordniveau erzielt. Die Nettoerlöse kletterten auf rund 2,94 Milliarden Euro, unter dem Strich stand ein Gewinn von knapp über einer Milliarde Euro. Bereinigt um Sondereffekte lag der Überschuss seinerzeit bei gut 1,1 Milliarden Euro.

Neben dem regen Handel an den Märkten infolge der Krise profitierte die Börse auch von Übernahmen der vergangenen Jahre. Der seit Anfang 2018 amtierende Konzernchef Weimer will die Deutsche Börse – die im Vergleich zu Wettbewerbern schon recht breit aufgestellt ist – mit Zukäufen vor allem außerhalb des Aktiengeschäfts oder dem dazugehörigen Derivate-Bereich mit seinen Termingeschäft-Wetten auf noch unabhängiger von den starken Schwankungen an diesen Märkten machen.

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Die Suche nach Firmen, die für den Kauf geeignet sind, stellt sich aber als nicht ganz einfach dar. Die Konkurrenz unter den Bietern ist groß und die Preise sind hoch.

Im vergangenen Jahr war Weimer dann im Herbst doch noch fündig geworden: Die Deutsche Börse schnappte sich für 1,5 Milliarden Euro 80 Prozent der Anteile des US-Stimmrechtsberaters Institutional Shareholder Services (ISS). ISS liefert institutionellen Investoren Daten und Dienstleistungen im Bereich Unternehmensführung.

Dafür ging der Deutschen Börse die in Mailand ansässige Borsa Italiana durch die Lappen: Die französische Euronext, die mehrere europäische Börsen betreibt, schlug für 4,3 Milliarden Euro zu.