Bundespolizei und Mitarbeiter der DB Sicherheit kontrollieren in einem IC, ob die Maskenpflicht im Zug eingehalten wird. Foto: Annette Riedl/dpa

Die Deutsche Bahn will die Einhaltung der Maskenpflicht in ihren Fahrzeugen stärker kontrollieren. Ab September soll die Anzahl der Kontrollen mehr als verdoppelt werden. Zuletzt waren nach Angaben der Bahn Sicherheitsmitarbeiter regelmäßig in täglich rund 60 Fernzügen unterwegs. Die Maskenpflicht in Zügen hat schon so manchen Streit ausgelöst. Ausbaden müssen das oft Zugbegleiter. Auf sie könnte nun noch viel zukommen, wenn Pläne der Länder Realität werden.

Es ist nur ein Satz, aber er birgt viel Zündstoff: Bund und Länder wollen nämlich prüfen lassen, ob künftig für Maskenverweigerer im Regional- und Fernverkehr ein erhöhtes Beförderungsentgelt eingeführt werden kann. Sprich: Wer ohne Mund-Nasen-Schutz erwischt wird, der soll künftig womöglich einen Aufschlag auf den Fahrpreis zahlen. Gewerkschaften gehen auf die Barrikaden: „Es ist unverantwortlich, den Beschäftigten in den Zügen diese zusätzliche Aufgabe aufzubürden“, schimpfte der kommissarische Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Klaus-Dieter Hommel.

Klaus-Dieter Hommel von der Eisenbahner-Gewerkschaft EVG lehnt es ab, dass Zugbegleiter noch mehr Aufgaben übernehmen sollen.  Foto: Imago Images/Jürgen Heinrich

Die Länder - mit Ausnahme Sachsen-Anhalts - beschlossen am Donnerstag bei ihren Beratungen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU), dass für Maskenverweigerer ein Mindestbußgeld von 50 Euro gelten soll. In manchen Ländern liegt das Bußgeld bereits weit darüber, in einigen Ländern nicht - oder es wird gar kein Bußgeld erhoben.

Dazu soll nun ein weiteres Instrument kommen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus: ein „wie ein Bußgeld wirkendes“ erhöhtes Beförderungsentgelt. In Regierungskreisen hieß es, die Umsetzung werde nicht einfach, es seien Gesetzesänderungen nötig. Was aber noch viel schwerer wiegt: die Politik könnte es sich mit den Zugbegleitern und den Gewerkschaften verscherzen. Das dürfte die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) im Kopf haben, wenn sie zwar Konsequenzen fordert für Maskenverweigerer, doch vorgibt: „Für Bußgelder ist aber der Staat zuständig, Schaffner sind keine Hilfspolizei.“

Bereits heute ist die Lage in Zügen wegen Corona mitunter angespannt. „Die Kollegen arbeiten am Anschlag und sind bereits jetzt extrem belastet“, sagt Hommel. Seit Wochen nähmen Pöbeleien und Übergriffe gegenüber Zugbegleitern zu. Wenn sie jetzt von Maskenverweigerern ein erhöhtes Beförderungsentgelt verlangen sollen, würde das das Konfliktpotenzial vervielfachen.

Mitarbeiter der DB Sicherheit und Beamte der Bundespolizei kontrollieren gemeinsam in einer Bahn. Maskenverweigerer können nur von der Polizei zum Tragen des Mundschutzes verpflichtet werden, nicht vom Zugpersonal. Foto: Annette Riedl/dpa

Das Zugpersonal könne hartnäckige Verweigerer nicht zwingen, sich die Maske aufzusetzen oder auszusteigen, sondern nur die Bundespolizei rufen, sagt EVG-Sprecher Oliver Kaufhold. „Das überlegen sich Zugbegleiter aber gut, denn dann steht womöglich der Zug, bis die Bundespolizei kommt, und man bringt viele Kunden gegen sich auf.“

Utopisch erscheint, dass das Zugpersonal notfalls überall sehr rasch Unterstützung von der Bundespolizei bekommen kann. Dazu fehle es an Beamten, so Jörg Radek, Vize-Bundeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Sie könnten nicht in jedem Zug sein. „Wir können auch nicht an jedem Halt ein Bundespolizei-Revier aufbauen. Wir bemühen uns aber, schnell zu kommen.“

Die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (Odeg) geht einen anderen Weg: Sie hat einen privaten Sicherheitsdienst beauftragt, die Einhaltung der Maskenpflicht auf mehreren Bahnlinien in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zu kontrollieren. Dieser könne Fahrgäste ohne Maske notfalls auch des Zuges verweisen.