Das Wohnzimmer wird zum Büro: Die meisten Angestellten sind gern im Homeoffice. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Seit Beginn der Corona-Krise arbeitet ein Großteil der deutschen Angestellten von zuhause aus. Das gefällt den meisten so gut, dass sie auch nach der Pandemie im Homeoffice bleiben wollen. Das zeigt eine neue Studie der IG Metall, für die mehr als 1000 Beschäftigte befragt wurden.

Der unverhoffte Digitalisierungsschub in der Corona-Krise kommt bei den Arbeitnehmern gut an: Die überwiegende Mehrheit von 78 Prozent würde in Zukunft gerne zumindest zeitweise zuhause arbeiten. Weitere elf Prozent geben an, dass sie unbegrenzt im Homeoffice bleiben wollen. Nur neun Prozent bevorzugen die Arbeit im Büro. 59 Prozent fänden es besonders wichtig, selbst entscheiden zu können, wann sie daheim und wann sie im Büro arbeiten.

Improvisierte Arbeitsplätze in der Wohnung

Gleichwohl ist das Homeoffice für die meisten noch Neuland. Viele Beschäftigte haben in ihren Wohnungen nur einen improvisierten Arbeitsplatz und vermissen die Unterstützung ihrer Arbeitgeber. Konkret haben 48 Prozent keinen abgetrennten Arbeitsbereich, sondern sitzen vorerst in einem normalen Wohnraum am Rechner. Auch für Arbeitsmittel wie Bildschirm oder einen ordentlichen Stuhl musste jeder zweite zumindest teilweise selbst sorgen.

„Wir müssen jetzt raus aus dem heimischen Improvisations-Theater und rein in eine professionelle Arbeitsumgebung“, sagt IG-Metall-Vize Christiane Benner. Die Beschäftigten bräuchten eine Ausstattung, die ihren individuellen Bedürfnissen angepasst ist. Als Minimum seien ein guter Computer-Bildschirm, Tastatur, Maus und  ein Bürostuhl nötig. „Die Kosten dafür muss der Arbeitgeber tragen. Homeoffice gibt es nicht zum Nulltarif.“

Betriebsvereinbarungen gefordert

Die IG Metall will nun für Betriebsvereinbarungen kämpfen, die ein „Recht auf gute Arbeit“ im Homeoffice festschreiben. Und auch die Beschäftigten haben ihre Forderungen. Knapp 60 Prozent der Befragten wünschen sich verbesserte digitale Kontaktmöglichkeiten zum Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten. Vor allem jüngere Arbeitnehmer fordern zudem klar definierte Zeiten, zu denen sie im Homeoffice erreichbar sein müssen.

Ein von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ins Spiel gebrachtes „Recht auf Homeoffice“ wird von Arbeitgeberverbänden derzeit noch kritisch gesehen. (mit dpa)