Häusliche Gewalt – meist bleiben die Verbrechen unbemerkt. imago/Ikon Images

Mord, Nötigung, Stalking: Die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner ist in Deutschland während der Corona-Krise deutlich gestiegen.

Stärkster Anstieg in Brandenburg

158.477 Opfer sind im vergangenen Jahr polizeilich registriert worden, wie eine Umfrage der Welt am Sonntag bei Innenministerien und Landeskriminalämtern in den 16 Bundesländern ergab. Das entspricht einem Anstieg von sechs Prozent gegenüber dem Jahr 2019.

Hohe Dunkelziffer befürchtet

Zwei Drittel der erfassten Opfer sind Frauen. Die Dunkelziffer dürfte groß sein, weil viele Opfer sich nicht trauen, Anzeige zu erstatten.

Den stärksten Zuwachs verzeichnete dabei Brandenburg mit einem Plus von 23,7 Prozent. Dahinter kommen Mecklenburg-Vorpommern (plus 16,4 Prozent), das Land Bremen/Bremerhaven (plus 13,8 Prozent) und Thüringen (plus 12,6 Prozent). In Berlin wurden mit insgesamt 16.327 Fällen 4 Prozent mehr gemeldet als im Vorjahr. Das Saarland und Sachsen meldeten als einzige keinen Anstieg.

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In einer ersten Reaktion will die Brandenburger Landesregierung jetzt das landesweite Netz von Schutzräumen für von Gewalt bedrohte Frauen ausbauen. „Jede Frau, die von Gewalt bedroht ist, muss die Möglichkeit haben, schnell und unbürokratisch Schutz und Hilfe zu finden“, sagte Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Sonntag.

Auch im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen haben die Zahlen der Welt am Sonntag zufolge zugenommen (plus 7,9 Prozent). Landesfamilienminister Joachim Stamp (FDP) sieht wegen der Corona-Pandemie zusätzlichen Handlungsbedarf. „Wir erleben im Lockdown massiv tatsächliche Schäden an Leib und Seelen in den Familien.“

Es wäre verantwortungslos, den Kinder- und Familienschutz zu ignorieren. „Darum müssen Kitas und Schulen so schnell wie möglich wieder für alle Kinder geöffnet werden“, fordert Stamp.

Baden-Württemberg weist einen Gewaltanstieg von 5,9 Prozent aus. Innenminister Thomas Strobl (CDU), derzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz, sagte der Zeitung: „Gewalt in der Familie ist weder Privatsache noch ein Kavaliersdelikt, das man einfach unter den Wohnzimmerteppich kehren kann. Die Opfer sind der Gewalt in der häuslichen Umgebung oft schutzlos ausgeliefert.“