Das RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem in Nordrhein-Westfalen geht offiziell vom Netz. Es ist aber schon seit 18. Dezember nicht mehr in Betrieb. Foto: dpa/Oliver Berg

Spätestens im Jahr 2038 soll in Deutschland der letzte Kohlestrom erzeugt werden. Und der schrittweise Abschied von der Kohle beginnt schon jetzt: Zum 1. Januar 2021 stellen die ersten Kraftwerke die Produktion ein. Dafür fließen viele Millionen Euro an Entschädigungen. Kritiker finden, es hätte auch billiger gehen können.

Vor allem Nordrhein-Westfalen macht die ersten Schritte auf dem Weg zum Kohleausstieg. Im Revier werden vier Kraftwerks-Blöcke zum Jahreswechsel die Stromproduktion einstellen. Hinzu kommt das seit langem umstrittene Hamburger Steinkohlekraftwerk Moorburg. Es ist erst seit 2015 am Netz und eines der modernsten Kraftwerke in Deutschland. Endgültig eingemottet werden können diese Kraftwerke ab Juli. Bis dahin wird noch geprüft, ob sie für Notsituationen in Reserve bleiben müssen.

„Der Kohleausstieg in Deutschland nimmt Fahrt auf“, kommentierte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) die Abschaltungen. Insgesamt gingen über fünf Gigawatt Leistung aus schmutziger Kohleverbrennung vom Netz. „Diese Kraftwerke haben 2019 noch über zehn Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen verursacht“, hob Schulze hervor. Dass sogar junge Kraftwerke wie Moorburg vom Netz gingen, zeige, „dass die Energieversorger Platz schaffen wollen für Zukunftstechnologien“.

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Deutlich zurückhaltender bewertet Patrick Graichen, Direktor des Energie-Thinktanks Agora Energiewende, die Abschaltungen. Die fünf Gigawatt sähen „zunächst nach viel aus“. Der Klimaeffekt werde aber überschaubar sein, „denn viele der Kraftwerke waren zuletzt gar nicht mehr oft in Betrieb“. Die Entschädigungszahlungen an die Betreiber von Kohlekraftwerken könnten deutlich kleiner sein, moniert Graichen. „Steinkohlekraftwerke sind inzwischen so unwirtschaftlich, dass sie vielfach auch ohne Entschädigung vom Netz genommen würden.“

316 Millionen Euro Entschädigung für Betreiber

Die Betreiber der Steinkohlekraftwerke hatten bei einer Aktion der Bundesnetzagentur den Zuschlag für die Stilllegung erhalten. Der Bund schüttet an sie und die Eigentümer mehrerer kleinerer Kraftwerke insgesamt 316 Millionen Euro an Entschädigungen aus. Der dickste Batzen geht an den größten deutschen Stromerzeuger RWE, der zwei Steinkohlekraftwerke abschaltet und dafür 216 Millionen Euro erhält.

Bei der besonders klimaschädlichen Braunkohle ist nach dem Fahrplan des Kohleausstiegsgesetzes zunächst nur ein einziger kleiner Kraftwerksblock im Rheinischen Revier dabei. Der Block D des RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem ist schon seit 1968 in Betrieb. Die letzte Kilowattstunde Strom hat der 300-Megawatt-Block bereits am 18. Dezember produziert.

Für die Abschaltung von Braunkohlekraftwerken und die Schließung der Tagebaue gibt es feste Entschädigungen, die ohne Auktionen verteilt werden. RWE erhält insgesamt 2,6 Milliarden Euro, für die ostdeutsche Leag sind 1,75 Milliarden Euro vorgesehen.

Die Bundesregierung will mehrfach die Auswirkungen des Kohleausstiegs auf die Versorgungssicherheit und die Entwicklung der Strompreise überprüfen. Denn bis Ende 2022 wird auch das letzte Atomkraftwerk in Deutschland abgeschaltet. Untersucht werden soll aber auch, ob der komplette Kohleausstieg auf 2035 vorgezogen werden kann.