„Wir sind zurück“ klebt diese Frau an ihren wieder eröffneten Laden in Innsbruck. In Österreich haben am Dienstag kleine Läden erstmals wieder öffnen dürfen. Foto: AFP

Sollen als erstes die Schulen öffnen? Könnten kleine Läden unter strengen Vorgaben wieder aufmachen? Mit Spannung wird erwartet, ob und welche Art von Fahrplan Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Bundesländer am Mittwoch in ihrer Telefonkonferenz finden werden, um die geltenden Ausgangsbeschränkungen zu lockern.

Wichtige Grundlage sind dabei die Empfehlungen der Forschungsgruppe Leopoldina aus Halle, die als Berater der Bundesregierung am Montag ihre Stellungnahme vorlegten. Demnach sollen Schulen „sobald wie möglich“ wieder zu öffnen, angefangen bei Grundschulen und die Sekundarstufe 1, weil Jüngere mehr persönliche Betreuung brauchen. Der Unterricht sollte sich auf Schwerpunktfächer wie Mathe und Deutsch konzentrieren und in deutlich reduzierten Gruppengrößen von 15 Schülerinnen und Schülern begonnen werden, so die Vorschläge der Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands. Außerdem plädieren die insgesamt 26 Forscher der Leopoldina-Arbeitsgruppe für eine Maskenpflicht in Bus und Bahn, im Supermarkt, in Ämtern wie auch am Arbeitsplatz.

Lesen Sie auch: Corona-Pandemie: RKI: „Wir können noch nicht beurteilen, ob die Fallzahlen sinken“

Wissenschaftler sind uneins über Wege zurück in die Normalität

Doch nicht alle Wissenschaftler und Virologen teilen die Ansichten: Während Epidemiologen der Helmholtz-Gemeinschaft in einem Gutachten vor Lockerungen eindringlich warnen und stattdessen fordern, die bestehenden Kontaktbeschränkungen für etwa drei Wochen zu verlängern, stellte sich das Robert-Koch-Institut (RKI) in weiten Teilen hinter die Empfehlungen der Leopoldina – allerdings würde das RKI Schulen zuerst wieder für höhere Jahrgänge öffnen, weil sie Abstandsregeln besser einhalten könnten, begründete RKI-Präsident Lothar Wieler. Doch ohnehin gebe es „keine Blaupause“ für die aktuelle Situation und „nicht immer ein Falsch und Richtig“, räumte Wieler ein. Die Epidemie sei war nicht eingedämmt, so der RKI-Präsident am Dienstag zum aktuellen Stand, es sei aber durch Abstands- und Hygieneregeln gelungen, sie zu verlangsamen. Wieler: „Diese Disziplin sollten wir weiter beibehalten.“

Seit Wochen sind Klassenzimmer in Deutschland verwaist. Schulen sollen nun als erstes wieder öffnen. Foto: dpa


Ob und wann es zu Lockerungen kommt, ist in den einzelnen Ländern ebenfalls völlig umstritten. Berlins Regierender Michael Müller (SPD) sieht das „frühestens ab 27. April, eventuell auch erst ab 1. Mai“, wie Müller in einem Interview der RBB-Welle Radio sagte. Die bisherigen Kontaktverbote, Geschäfts- oder Schulschließungen gelten bis einschließlich Sonntag (19. April) und müssten demzufolge noch einmal verlängert werden. „Und wenn es zu Lockerung kommen kann, dann dauert es einige Tage Vorlauf, bis man sie umsetzt.“ So müsse etwa die BVG mehr Verkehr anbieten, wenn die Schule zumindest schrittweise wieder öffneten.

Auch Nordrhein-Westfalens Familienminister Joachim Stamp schließt eine Rückkehr zu normal geöffneten Schulen und Kitas sofort nach den Osterferien aus: „Ich halte es für ausgeschlossen, dass schon am kommenden Montag Schulen und Kitas wieder regulär öffnen.“

Lesen Sie alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in unsem Coronavirus-Newsblog >>

Generell sehr skeptisch sieht Hessens Landeschef Volker Bouffier (CSU) die Empfehlung der Leopoldina, Grundschulen schnell zu öffnen. Er könne sich nicht vorstellen, dass Hessen diesen Weg gehen werde, machte Bouffier klar. Dafür kann er sich aber Lockerungen im Bereich des Einzelhandels durchaus vorstellen. Ebenso denkt Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU), während Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) jedoch Lockerungen vor allem für Kinder statt für Geschäfte ermöglichen will.

Auch Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) warnt vor einer schnellen Lockerung der Corona-Maßnahmen. „Wir brauchen einen sicheren und besonnenen Weg aus der Corona-Krise“, schrieb Söder auf Twitter. „Unsere Maßnahmen wirken, aber wir dürfen keinen Rückschlag riskieren.“ Vorsichtige Erleichterungen könne es nur mit zusätzlichem Schutz geben. „Es sollte kein Überbietungswettbewerb entstehen, der die Menschen verunsichert.“