Bodo Ramelow gab sich in letzter Zeit reumütig, am Freitag änderte er die Tonlage. Foto: imago images/Mario Gentzel

Vorab drei kurze Erläuterungen für alle, die sich bisher nicht damit beschäftigt haben. Clubhouse ist ein neues soziales Netzwerk, wo Menschen – insbesondere Politiker und Journalisten – in Gesprächsräumen miteinander plaudern. Mal ernst, mal schwafelig, oft beides. Candy Crush ist ein Handyspiel, man sammelt auf dem quietschbunten Schirm Zitronendrops und Lutschbonbons ein. Und Bodo Ramelow ist linker Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, steht also gerade in der Verantwortung, einen der schwersten Coronaausbrüche Europas zu bekämpfen.

Zu Beginn des Wochenendes tummelte sich nun also Bodo Ramelow auf Clubhouse in einer Runde mit Journalisten und sozialdemokratischen Politikern und sprach über: Candy Crush. Dass der 64-Jährige eine Leidenschaft für derart trivialen Zeitvertreib hat – er thematisierte sie voriges Jahr sogar in einer Wahlwerbung –, kann man lustig finden oder egal. Ein gewisser Spieltrieb ist Spitzenpolitikern ja häufig zueigen.

Interessant werden seine Plaudereien im Kontext. Ramelow, so berichtete er, findet in letzter Zeit besonders viel Gelegenheit zur Bonbonsammlung, wenn er mit den anderen Ministerpräsidenten und dem „Merkelchen“ – so nannte er die Kanzlerin – über neue Corona-Maßnahmen berät.

Wer auf diese Weise alles Staatsmännische ablegt und in ernster Lage witzelt, der ist sich seiner Sache meist sehr sicher. In Ramelows Fall irritiert das, weil er erst kürzlich öffentlich Reue bekannt hatte. In langen Interviews räumte der Ministerpräsident ein, er habe den Ernst der Pandemie noch im vorigen Herbst unterschätzt, als er Lockerungen für Regionen mit geringer Inzidenz forderte. „Die Kanzlerin hatte Recht, ich hatte Unrecht“, sagte Ramelow.

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Solche Eingeständnisse eigener Fehlbarkeit sind selten in der Politik. Ramelow dürfte es gefallen haben, dass ihm anschließend Respekt gezollt wurde für so viel charakterliche Größe.

Als solche verstand er es wohl auch, am Wochenende seine Äußerungen nicht weiter einzuordnen oder zu relativieren. Auf Twitter bedankte sich Ramelow für den „wohltuenden Abend“. Und schob am Sonntag hinterher, alle mögen „am schnellen Ende der Pandemie arbeiten“ – so dass er künftig wieder auf Dienstfahrten zocken könne, statt in Videokonferenzen „über die Pandemieabwehr“.