„Schaumwein“ ist nicht mehr so beliebt bei den Deutschen. Foto: dpa/Sven Hoppe

Schampus ist auf dem absteigenden Ast: Ob Sekt, Champagner oder Prosecco, die Deutschen (ab 16 Jahre) haben 2020 statistisch nur noch etwas mehr als fünf Flaschen beziehungsweise 39 Gläser „Schaumwein“ gepichelt. 2011 waren es noch 6,5 Flaschen oder 49 Gläser à 0,1 Liter. Das ärgert das Finanzamt, dem Einnahmen verloren gehen: Die Schaumweinsteuer sank seither von jährlich 454 auf 405 Millionen Euro. Dabei hätten die fröhlichen Zecher mehr Grund, sich zu ärgern: Denn auf verwinkelten Wegen bezahlen sie mit jedem Schluck uralten Schrott, und die Steuer hätte längst abgeschafft werden müssen.

Ein Schlepper hat an einem 1919 in Scapa Flow auf Grund gesetzten deutschen Zerstörer festgemacht. Wikipedia/Imperial War Museum

Sie geht auf das Jahr 1902 zurück, als sich das Kaiserreich anschickte, eine der britischen ebenbürtige Kriegsmarine aufzubauen. Die schlug sich relativ erfolgreich im 1. Weltkrieg gegen die trotz aller Anstrengungen immer noch überlegene britische Flotte, lag nach der großen Skagerrak-Schlacht 1916 aber meist im Hafen. Der Krieg ging verloren, und die verbliebenen Schiffe mussten 1918 den Briten übergeben werden.

Rund 70 Schiffe wurden in Scapa Flow interniert, einer Bucht inmitten der schottischen Orkney-Inseln. Da dümpelten sie bis zum 21. Juni 1919 – und  plötzlich gingen 20 große Schiffe und 32 Torpedoboote unter. Der Befehlshaber hatte die Selbstversenkung befohlen, in der Annahme, der Krieg könnte wieder aufflammen. Da sollte Großbritannien die teilweise modernen Kriegsschiffe nicht nutzen können. Die Briten waren nicht amüsiert. Teilweise wurden die Schiffe gehoben, dann verschrottet oder als Zielscheiben genutzt.  

Die Schaumweinsteuer aber überlebte die deutsche Kriegsflotte, auf 100 Liter werden 136 Euro fällig. Das macht 0,05 Prozent der deutschen Steuereinnahmen aus, und trägt damit nur mickrig zur Modernisierung der Marine bei: Deren neuestes Schiff, die im Mai 2021 in Dienst gestellte Fregatte „Sachsen-Anhalt“, kostete über 750 Millionen Euro.