Auf chinesischen Fernsehkanälen wurde das Abfeuern von Raketen gezeigt.
Auf chinesischen Fernsehkanälen wurde das Abfeuern von Raketen gezeigt. AP/CCTV

Mit einem großangelegten Militärmanöver geht die Großmacht auf Konfrontationskurs mit einem seiner mächtigsten Nachbarn: Fünf chinesische Raketen sind in einer exklusiven Wirtschaftszone Japans eingeschlagen. Eingeschlagen sind die Raketen im Meer unmittelbar vor der Küste Japans. „Dies ist eine ernste Angelegenheit, die die nationale Sicherheit unseres Landes und die Sicherheit der Menschen betrifft“, sagte Japans Verteidigungsminister Nobuo Kishi.

Raketen auf Japan: Was der Angriff mit Taiwan zu tun hat

Der Angriff hat zwei Hintergründe: China versucht seit Jahren, die Vorherrschaft im chinesischen Meer zu erobern, seitdem die USA sich aus internationalen Konflikten zunehmend zurückziehen. Historische und völkerrechtliche Grenzen anerkennt die Großmacht nicht mehr, beansprucht mehrere Inseln, die nie zur Volksrepublik gehört haben und teils anderen Ländern gehören, so den Philippinen, Japan und Taiwan.

Taiwan will China gleich ganz einverleiben, doch dagegen stemmen sich vor allem zwei Schutzmächte: Die USA, die Taiwan eine Art militärische Beistandsgarantie gibt und Japan, frühere Kolonialmacht Taiwans. Die Raketen vor Japan waren somit auch als Warnung gedacht, sich nicht in die angebliche „innere Angelegenheit“ einzumischen, als die China die Eroberung Taiwans verkaufen will.

Chinas Volksbefreiungsarmee übt die Eroberung Taiwans

Als ob nicht klar wäre, wer stärker ist: Im Konflikt um Taiwan (23 Millionen Einwohner)  zeigt China (1,42 Milliarden) die größte militärische Machtdemonstration seit Jahrzehnten. Die Manöver in sechs Meeresgebieten rund um die demokratische Inselrepublik, seit Donnerstag voll in Gang, gingen mit „Präzisionsschlägen“ durch von Land abgefeuerten Raketen einher.

China will  Blockade der Insel, Angriffe von See, Landungen und Kontrolle des Luftraums üben. Zudem sind die Manöver eine Warnung an die USA, sich  herauszuhalten.

China hatte die Manöver als Reaktion auf die Taiwan-Reise der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, am Dienstag und Mittwoch angeordnet. Das kommunistische China sieht die Insel als Teil der Volksrepublik an.

Taiwans Streitkräfte sind in Kampfbereitschaft.  Man suche keinen Konflikt, werde aber die nationale Souveränität und territoriale Integrität verteidigen.

Chinesische Bomber nehmen an den Manövern rund um Taiwan teil
Chinesische Bomber nehmen an den Manövern rund um Taiwan teil Xinhua/AP/Wang Guosong

Angst vor einem chinesisch-amerikanischen Krieg aus Versehen

Außenministerin Annalena Baerbock rief zur Deeskalation auf, die südostasiatische Staatengemeinschaft Asean zu äußerster Zurückhaltung.

Eine Auseinandersetzung könnte die USA militärisch in den Konflikt ziehen. Experten warnten vor Zwischenfällen durch Fehlkalkulationen beider Seiten während der Manöver. Die USA haben sich der Verteidigung Taiwans verpflichtet.