Eine Spritze wird mit Corona-Impfstoff aufgezogen. Imago/Georg Ulrich Dostmann

Ich habe keinen Bock auf Corona. Und weil ich im Osten sozialisiert bin, ist Impfen Ja oder Nein für mich keine Frage. Weil mich keiner priorisiert hat, rechnete ich lange damit, dass ich frühestens zum Ende des Sommers an der Reihe sein werde. Umso froher war ich, als Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am 22. April den Impfstoff von AstraZeneca für alle freigab. Dahinter steckte wohl auch der Gedanke, dass dieser Wirkstoff in Teilen der Bevölkerung einen ähnlichen Ruf hat, wie eine Griebe im Mundwinkel.

Mich aber freute es und ich rief noch am selben Tag meine Hausärztin an. Schwester Martina hatte die Nachricht auch schon von Patienten gehört und bereits eine Liste angelegt. Weit oben stünde ich darauf, versicherte sie mir. Es werde nicht mehr lange dauern. Von Stund an befand ich mich in Habachtstellung, der Impf-Anruf könnte ja nun jederzeit kommen. Die Aufregung steigerte sich noch, als mir ein Ex-Kollege erzählte, ihn hätte sein Hausarzt am Sonntagabend angerufen, er könne sofort zum AstraZeneca-Impfen kommen – dummerweise war das kurz vor Auflösung des ARD-„Tatorts“ aus Freiburg.

Am Mittwoch letzter Woche rief Schwester Martina an, am Freitag sei es endlich soweit. Große Freude. Am Donnerstagabend vernahm ich dann von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass der Abstand zur AstraZeneca- Zweitimpfung nicht mehr zwingend 12 Wochen betragen müsse, vier Wochen wären auch ok. Das erzählte ich beim Impfen meiner Ärztin, sie hatte davon noch nichts gehört, und entließ mich mit einem Termin in 12 Wochen, versprach aber, sie würde sich melden, wenn eine kürzere Frist möglich sei.

In diesen Schwebezustand grätschte dann wenig später SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, als er sagte: „Ich persönlich würde allerdings davon abraten, zwischen den beiden Impfungen nur vier Wochen verstreichen zu lassen.“ Damit ist meine Verwirrung komplett, ich weiß nicht mehr, ob ich mir einen schnelleren Zweittermin wünschen soll. Aber eines ist klar: Bitte nicht während des „Tatorts“.