Seit der Einheit sinken die Einwohnerzahlen in den ostdeutschen Ländern, immer mehr Familien wandern ab in die alten Bundesländer. Foto: Christian Charisius/dpa

Die Zahl der Einwohner in den ostdeutschen Ländern sinkt nach einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung weiter. Die Hoffnungen schwinden, dass die demografische Trennlinie zwischen Ost und West künftig verblasst, wie es in einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Bilanz wenige Wochen vor dem 30. Jahrestag der Wiedervereinigung heißt.

Seit der Einheit sei die Bevölkerung um rund 3,4 Millionen Menschen gewachsen (Ende 2019 rund 83,2 Millionen Menschen), doch Ost und West seien auf gegensätzlichen demografischen Pfaden unterwegs, schreiben die Autoren. Während die alten Länder zwischen 1990 und 2019 einen Zuwachs von mehr als 5,4 Millionen Menschen verzeichneten, verloren die fünf ostdeutschen Flächenländer im gleichen Zeitraum rund 2,2 Millionen Menschen (Ende 2019 rund 12,6 Millionen Menschen).

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In den ostdeutschen Ländern sowie im Saarland lebten 2019 laut Studie weniger Menschen als 1991. Vom Rückgang am stärksten betroffen sei Sachsen-Anhalt, das fast jeden vierten Einwohner eingebüßt habe.

Zwar sei die Abwanderung von Ost nach West seit 2015 gestoppt und auch die Kinderzahlen stiegen. Doch die schwach besetzten Jahrgänge der 1990er Jahre führten dazu, dass es weniger potenzielle Eltern gebe. Ostdeutschland habe auch kaum von der Zuwanderung aus dem Ausland profitiert, um diese Jahrgänge „aufzufüllen“.

Auch in den westlichen Bundesländern kämpften ländliche Regionen etwa in Nordhessen, der Südwestpfalz oder Oberfranken mit sinkenden Einwohnerzahlen, während attraktive Großstädte samt Umland unter einem starken Wachstumsdruck ächzten, heißt es in dem Bericht.