Das Schloss Bellevue, zur Sanierung anstehender Amtssitz des Bundespräsidenten. Der aktuelle Hausherr Steinmeier wird es wohl bleiben. imago

Am Sonntag wird abgestimmt: Die 1472 Mitglieder der Bundesversammlung entscheiden zwischen drei Männern und einer Frau, wer  in den nächsten fünf Jahre Bundespräsident sein wird. Dass es Gerhard Trabert für die Linke, Max Otte für die AfD oder Stefanie Gebauer für die Freien Wähler schaffen werden, Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier auszustechen, ist höchst unwahrscheinlich: Er wird von allen anderen Parteien unterstützt.

Frank-Walter Steinmeier – der Berufspolitiker

Nach den gescheiterten schwarz-grün-gelben Koalitionsverhandlungen 2017 überzeugte Bundespräsident Steinmeier die SPD, wieder eine Koalition mit der Union zu bilden, verhinderte Neuwahlen. dpa

Steinmeier (66, seit 1975 in der SPD) ging gleich nach der Promotion im Fach Jura 1991 an der Uni Gießen nach Hannover zum damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder (SPD), wurde Chef der Staatskanzlei. Nach Schröders Sieg bei der Bundestagswahl 1998 wechselt er mit ihm nach Berlin, wurde 1999 Kanzleramtschef. 2005 bis 2009 und 2013 bis 2017 war er Außenminister. 2009 als SPD-Kanzlerkandidat erlitt er eine krachende Niederlage gegen die Union und Angela Merkel. 2017 wurde Steinmeier zum Bundespräsidenten gewählt, weil die Union keinen eigenen Kandidaten fand. Steinmeier ist mit der Juristin Elke Büdenbender verheiratet, der er 2010 eine Niere spendete. Das Paar hat eine erwachsene Tochter.

Gerhard Trabert – der Mann fürs Soziale

Gerhard Trabert versorgt Wohnungslose und Patienten ohne Krankenversicherung. imago

Der parteilose Trabert (65) kandidiert auf Linken-Ticket, ist aber parteilos. In die Politik zog es ihn erst spät. Im September 2021 trat der bei der Bundestagswahl als parteiloser Direktkandidat in Mainz für die Linke an und holte 12,4 Prozent der Erststimmen. Der  Sozialpädagoge, Arzt und Professor für Sozialmedizin ist seit Jahrzehnten engagiert für die medizinische Versorgung von Obdachlosen und in der Flüchtlingshilfe.  Trabert  half bei zahlreichen Auslandseinsätzen wie etwa nach dem Erdbeben 2010 in Haiti. Für sein Engagement wurde er 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Für soziale Themen sensibilisiert wurde er bereits als Kind, als er viel Zeit in einem Waisenhaus verbrachte, in dem sein Vater Erzieher war. Mit Steinmeier hat der Vater von vier Kindern gemein, dass er seine Doktorarbeit über  Obdachlosigkeit schrieb.

Max Otte –  CDU-Politiker im AfD-Gewand

Max Otte schrieb auch Bücher, seit vielen Jahren sagt er darin „Crashs“ voraus. imago

Otte (57) sagt über sich selbst, er sei „Unternehmer, Publizist, Philanthrop und politischer Aktivist“. Seiner Partei, der CDU, der er seit 1991 angehört, wäre  weniger Aktivismus lieb gewesen: Als sich der Ökonom bereit erklärte, für die AfD als Kandidat anzutreten, leitete die CDU sofort den Parteiausschluss ein. Otte studierte  Betriebs- und Volkswirtschaft sowie politische Wissenschaften, promovierte an der Princeton University. Hauptbetätigung wurde die Vermögensberatung und -anlage für Privatanleger.  Vor der Bundestagswahl 2017 erklärte er, die AfD wählen zu wollen. Für Aufmerksamkeit sorgte er 2021 mit seiner Wahl zum Vorsitzenden der erzkonservativen Werte-Union, die keine offizielle Vereinigung der CDU ist. Den Vorsitz gab Otte nach den Turbulenzen um seine Präsidentschaftskandidatur ab. Zugleich kündigte der Vater von drei Kindern an, sich anschließend aus der aktiven Politik zurückzuziehen.

Stefanie Gebauer – die Frau aus der Kommunalpolitik

Stefanie Gebauer, Astrophysikerin und Kommunalpolitikerin. Freie Wähler/dpa

Gebauer (41)  kommt aus der Kommunalpolitik. Im brandenburgischen Kremmen ist sie Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung. Nominiert wurde sie von den Freien Wählern, für die sie schon bei der Bundestagswahl antrat. Gebauer hat an der TU Berlin Physik studiert und im Fach Astrophysik promoviert. Anschließend arbeitete sie am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin-Adlershof (DLR). Seit Anfang 2021 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der BVB/Freie Wähler-Fraktion im brandenburgischen Landtag. Sie verteidigt ihr chancenlose Kandidatur: „Die Motivation ist, dass Demokratie Auswahl benötigt. Es bestand der Wunsch nach einem jüngeren Kandidaten oder Kandidatin, es bestand der Wunsch auch nach einer Frau. Und genau das erfülle ich.“