Das Geld reicht kaum zum Leben: Jeder fünfte vollzeitbeschäftigte Berliner zählt zu den Geringverdienern. imago images/imagebroker

Wissen Sie eigentlich, was Ihr Nachbar verdient? Oder der Kumpel, den man gelegentlich in der Kneipe trifft? Vermutlich zu wenig. Denn in Berlin gilt jeder fünfte Arbeitnehmer als Geringverdiener, er bekommt also weniger als zwei Drittel des mittleren monatlichen Bruttoeinkommens. Damit steht die Hauptstadt im Bundesdurchschnitt ziemlich schlecht da, wie die Hans-Böckler-Stiftung herausgefunden hat.

In Berlin gehört jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte einer Studie zufolge zu den sogenannten Geringverdienern. Ihr Einkommen lag 2020 nur knapp über der Hälfte des mittleren monatlichen Bruttoeinkommens, wie aus der Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) hervorgeht. Zum Stichtag der Studie (31.12.2020) entsprach das einem Bruttolohn von maximal 2284 Euro.

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Frauen sind öfter Geringverdiener als Männer

Berlin liegt laut Studie mit einem Geringverdiener-Anteil von 19,2 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt von 18,7 Prozent der Vollzeitbeschäftigten mit entsprechend niedrigen Entgelten. Brandenburg liegt mit einem Anteil von 31,5 Prozent deutlich darüber.

Was auffällt: Brandenburg hat dafür weniger arbeitslose Menschen. Viele haben also einen Job, wenn auch einen unterdurchschnittlich gut bezahlten. Die Arbeitslosenquote lag in Brandenburg im Dezember 2021 bei nur 5,4 Prozent. In Berlin hingegen waren es 8,8 Prozent.

Und – na klar – meist sind es Frauen, die mit weniger Geld in der Tasche nach Hause kommen. Der Untersuchung zufolge gehörten im bundesweiten Schnitt mehrheitlich die Frauen zu den Geringverdienenden. Bundesweit mussten 25,4 Prozent der Frauen trotz Vollzeitarbeit mit einem niedrigen Monatseinkommen auskommen, aber nur 15,4 Prozent der Männer.

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Fast ein Fünftel aller Vollzeitbeschäftigten in Deutschland sind Geringverdiener. Sie müssen mit einem Bruttoarbeitsentgelt unter 2284 Euro im Monat über die Runden kommen. Daniel Karmann/dpa

Zahl der Geringverdiener sinkt im Osten schneller

Insgesamt gäbe es seit dem Jahr 2011 allerdings eine spürbare Verbesserung. Damals fielen noch 21,1 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in die Kategorie der Geringverdiener. „In den letzten Jahren ist es gelungen, den unteren Entgeltbereich zurückzudrängen“, beschrieb Helge Emmler, einer der Verfasser der Studie, den Trend. Dies gelte insbesondere für Ostdeutschland.

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Zu Beginn des Erhebungszeitraums der Studie im Jahr 2011 gab es größere Unterschiede zwischen den ost- und westdeutschen Bundesländern. Im Verlauf der Jahre näherten sich die Quoten jedoch an: Waren 2011 noch 39,3 Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Osten und 16,9 Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Westen Geringverdienende, so sanken die Anteile bis 2020 um 10,2 Prozentpunkte im Osten – aber nur um 0,5 Prozentpunkte im Westen.