In Kabul werden schon Poster von Taliban-Führern verkauft. Mit ihnen müssen die USA eine Art Einverständnis erzielen – und umgekehrt. AFP/Aamir Qureshi

Wer mit dem Teufel Bouillon isst, braucht einen langen Löffel. Der von Präsident Biden exekutierte Abzug der US-Truppen aus Afghanistan, den sein Vorgänger Donald Trump in die Wege geleitet hatte und mit einem Blutbad endete, zwingt die größte Militärmacht der Welt in eine Art Bündnis mit den radikalen Taliban-Islamisten. 

Beide haben einen gemeinsamen Feind, einen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die in Europa durch ihre Blutrünstigkeit in Syrien und im Irak bekannt geworden war. Dieser Ableger hat sich zu dem Anschlag in Kabul bekannt. Das alarmiert die USA, die wie andere Staaten befürchten müssen, dass hier eine neue Terror-Hydra die Köpfe erhebt, womöglich schlimmer als die Taliban.

Die wiederum, selber ein Verein menschenverachtender Schlächter, können die islamistische Konkurrenz nicht brauchen. Die Taliban müssen beweisen, als neue Machthaber in Afghanistan so etwas wie Stabilität garantieren zu können. Gelingt ihnen das nicht, werden die diversen Völker und Stämme Morgenluft wittern und mit Waffengewalt ihre Interessen durchsetzen. Ein Szenario, in dem das schon seit 1978 herrschende Gemetzel im Land auf unbestimmte Zeit verlängern würde.   

Die USA – der Rest der NATO spielt mangels militärischer Stärke keine Rolle – sitzen jetzt in der Zwickmühle. Joe Bidens Racheschwüre in Richtung IS können, falls die USA nicht nur auf Luftangriffe setzen, nur in die Tat umgesetzt werden, wenn die Taliban sie geschehen lassen. Gleichzeitig verbietet sich eine enge Kooperation mit dieser Organisation, die seinerzeit Al-Qaida einen sicheren Hafen gewährt hatte, von dem aus Osama bin Laden das Massaker vom 11. September 2001 mit rund 3000 Toten geplant hatte.

Die USA brauchen wirklich einen langen Löffel ...