Rätselhafte USA-Wähler: Trotz Corona-Versagens wählten viele wieder Donald Trump.
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Wie konnten die Amerikaner dem Pöbler, Lügenbold und Corona-Schönredner nur ihre Stimme geben? Diese Frage stellen sich viele in Europa angesichts des unerwartet guten Abschneidens von Donald  Trump. 

Doch die Frage zeigt ein Missverständnis darüber, wohin sich der Blick großer Teile der US-Bürgerschaft richtet: Nach innen. Was Europa und die übrige Welt vom Amtsinhaber halten, spielt in den USA keine Rolle. Weltpolizist USA, das war einmal, zerschlagenes diplomatisches Porzellan kümmert wenige in den USA. Trumps Motto „Make America Great Again“ ist innenpolitisch bestimmt, hat mit dem Rest der Welt wenig zu tun.

Wichtiger ist vielen US-Bürgern, wie es ihrem Portemonnaie geht, und dann mögen noch strikte Moralvorstellungen und tiefsitzendes Misstrauen gegen die politische Klasse bei der Wahl eine Rolle gespielt zu haben. Einer Klasse, so tut Trump jedenfalls, der er nicht angehöre.

Weshalb er sich auch wenig um die   Entscheidungswege einer Demokratie schert. Die sind vertrackt, für viele zu vertrackt. Dazu passt die Erkenntnis aus Umfragen, dass eher weniger gebildete, weiße Männer für ihn stimmten.

Der Mann mag sprunghaft, faul und wirr sein, aber dumm ist er eben nicht. Mit dem Zusammenspiel mit einigen Medien, einem Twitter-Trommelfeuer voller falscher Fakten und publikumswirksamen Provokationen erreicht er viele Menschen, bedient ihre Ängste, suggeriert Lösungen. Und auch mit gewissem Erfolg: Der US-Wirtschaft geht es angesichts der Corona-Pandemie einigermaßen. 

Das überdeckte bei dieser Wahl die Zerrissenheit der US-Gesellschaft. Sonst wäre Joe Biden erfolgreicher gewesen, der diese Spaltung überwinden will. Viele Amerikaner leiden unter ihr, aber am Ende kommt immer erst das Fressen, und dann die Moral.