Die Impfkampagne läuft – ist Delta schneller? dpa/Sebastian Gollnow

Großbritannien verschob wegen der Delta-Variante des Coronavirus bereits vollständige Lockerungen und in Portugal riegelt die Regierung wegen stark steigender Infektionszahlen die Hauptstadt Lissabon übers Wochenende ab.

Auch in Deutschland wird die immer stärkere Verbreitung der gefährlichen, zuvor indische Mutation genannte Variante mit Sorge beobachtet. „Wichtig ist: Es ist auf niedrigem Niveau, aber eben schnell. Und wir haben gerade in den letzten zwei, drei Wochen eine starke Steigerung gesehen“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin. Da die Variante besonders ansteckend sei, könnten Erfolge in der Pandemiebekämpfung infrage gestellt werden.

Bis Herbst dominiert Delta in Deutschland

Bis Herbst könne die Delta-Mutante die dominierende Variante in Deutschland sein, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler und mahnte zur Vorsicht. Momentan liege der Anteil bei rund sechs Prozent. Wichtig sei der vollständige Impfschutz mit der zweiten Impfung, so Wieler weiter. Den haben in Deutschland bisher aber nur 29,6 Prozent, die Hälfte der Bevölkerung (50,1 %) ist mindestens einmal geimpft.

Lockerungen auf dem Prüfstand

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat deshalb die Länder dazu aufgefordert, zu prüfen, ob die Lockerungen nicht zu weit gingen. Er rechne damit, dass sich die Delta-Variante in Deutschland noch schneller ausbreiten werde als bisherige Varianten, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er mahnte, im öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften und anderen Innenräumen sollten unbedingt weiterhin FFP2-Masken getragen werden.

Lesen Sie auch: Gesundheitsexperte fordert Kinder-Corona-Impfung: Gefährliche Corona-Delta-Variante wird sich auch in Deutschland verbreiten >>

Der Vorsitzende des Weltärztebundes mahnte zudem, nicht den Fehler des vergangenen Sommers zu wiederholen. 2020 habe man den Wiedereintrag des Virus durch Reiserückkehrer unterschätzt, im Herbst folgte eine neue Welle. „Diese Gefahr besteht jetzt wieder, wenn viele noch ungeimpfte Touristen von Partyurlauben in ganz Europa nach Deutschland zurückkehren.“

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht davon aus, dass die Delta-Variante in Deutschland im Herbst die dominierende Rolle spielen wird, weil sie so viel ansteckender sei. Er hoffe, dass dies nicht zu einem großen Problem ausgerechnet für die Kinder werde, die nicht geimpft seien, sagte Lauterbach in den ARD-Tagesthemen. „Die Geimpften werden mit der Delta-Variante keine Probleme haben“, betonte der SPD-Politiker. Gegen die eingesetzten Impfstoffe komme diese Virusvariante nicht an.