Ostbeauftragter Carsten Schneider erklärt, warum viele Ostdeutsche weniger Kompromisse kennen. AFP/Fassbender

Sie protestieren gern auf der Straße, scheren sich oft nicht um Autoritäten. Viele Ostdeutsche fordern und fördern eine andere Politik, als Westdeutsche es gewohnt sind. Ein SPD-Politiker, der es wissen muss, der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), erklärt, woran das womöglich liegt – und er verteidigt diese Haltung in Teilen.

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Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), geht davon aus, dass autoritäre politische Haltungen aus DDR-Zeiten vielfach bis heute weiterwirken – warnt aber vor Verallgemeinerungen. „Politische Einstellungen und Haltungen werden oft vererbt und weitergegeben“, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Montagsausgaben).

Viele Menschen seien 1989 auf die Straße gegangen und hätten damit die friedliche Revolution erst möglich gemacht. „Aber die demokratische Praxis des Aushandelns von Kompromissen ist ihnen fremd geblieben.“

Demokratische Praxis des Aushandelns von Kompromissen ist Ostdeutschen fremd geblieben

Das lasse sich an den Mitgliederzahlen der Parteien ablesen – „oder wenn ich in einem Ortsteil einen Bürgermeister suche“. Deshalb wolle er, „dass besonders junge Menschen sich trauen, ihren Blick auf die Welt zu weiten“.

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Schneider stellte zugleich klar, dass er die Herangehensweise seines Vorgängers Marco Wanderwitz (CDU), der die AfD und deren ostdeutsche Wähler oft frontal attackiert hatte, nicht teile. „Man muss zwar klar sagen, was ist“, sagte er dem RND. „Es darf aber nicht der Eindruck entstehen, als würde man Leute aufgeben oder beleidigen.“ Das gelte auch für die aktuellen Demonstrationen.

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„Für viele ist der Gang auf die Straße ihre zentrale politische Ausdrucksweise – eher noch als die Wahl“, sagte er dem RND. Rechtsextremisten versuchten das zu instrumentalisieren. „Gewalt und Drohungen dürfen dabei kein Mittel sein. Das muss jeder wissen.“ Aber die Mehrheit der „einfachen Demonstrationsteilnehmer ist nicht extremistisch.“