Da reibt er sich die Hände: VW-Chef Herbert Diess erhielt 2019 fast 9,9 Millionen Euro. Foto: imago images / Jan Hübner

Frankfurt/M. - Da droht ja fast Armut: Die Einkünfte der Vorstandsmitglieder in den 30 DAX-Unternehmen sind 2019 im Schnitt um 0,3 Prozent gesunken, während der gemeine Arbeitnehmer durchschnittlich 2,6 Prozent brutto mehr bekam. Ende der Ironie: Die Bosse der Aktiengesellschaften schwimmen weiterhin im Geld, wie eine Studie des Münchener Controlling-Professors Dr. Gunther Friedl ergab. Sie wurde im Auftrag der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) erstellt.

Mit einem Durchschnittseinkommen von 5,7 Millionen Euro liegen die Vorstandsmitglieder 49 Mal über dem der Beschäftigten, ein leichtes Minus: 2018 bekamen sie noch das 52fache. 

2019 am besten bezahlt wurde VW-Chef Herbert Diess mit 9,851 Millionen Euro, gefolgt von Stefan Oschmann, der dem Pharmakonzern Merck vorsteht und 8,45 Millionen kassierte. Joe Kaeser (Siemens) durfte sich über 7,15 Millionen Euro freuen, Timotheus Höttges von der Deutschen Telekom verbuchte 6,62 Millionen Euro. Auf Platz 5 landete Oliver Bäte von der Allianz (6,62 Millionen). 

Das sind atemberaubende Beträge, obwohl die Herren im Vergleich zu Bernard Charlès arme Schlucker sind. Der Chef des französischen Software-Unternehmens Dassault Systèmes sammelte als bestverdienender europäischer Manager 24,6 Millionen Euro ein. Und das ist im Vergleich zu den USA auch wieder wenig: Robert Swan von Intel erhielt 60 Millionen Euro.

Bernard Charlès von Dassault Systèmes ist Europas bestbezahlter Manager. Salär 2019: 24,6 Millionen Euro. Foto: AFP

Schwierig war es für Professor Friedl, für Deutschland einen Bezahlungsunterschied zwischen Männern und Frauen zu ermitteln. Unter allen Vorständen - ohne die Vorsitzenden - bekamen die wenigen Frauen im Schnitt 3,0, die Männer 3,1 Millionen Euro. Unter der Vorstandsvorsitzenden lag Jennifer Morgan als Co-Chefin von SAP bei 5,4 Millionen Euro. Sie ist aber inzwischen ausgeschieden, jetzt steht keine Frau mehr an der Spitze eines Dax-Unternehmens.

Die Einkünfte der Vorstände speisen sich in der Regel zu je etwa einem Drittel aus einem Fix-Gehalt, Bonus-Zahlungen und einer Vergütung, die sich am Aktienkurs orientiert. Ein sinkender Kurs muss aber nichts heißen:  Bei Daimler stiegen die Vorstandsgehälter, obwohl der Gewinn pro Aktie 2019 um zwei Drittel gesunken war, wie Friedl verwundert feststellte.

Marc Tüngler, der Hauptgeschäftsführer der DSW, forderte deshalb mehr Transparenz über die Zusammensetzung der Vorstandsgehälter. Für das Jahr 2020 verlangt er, dass die Vorstände angesichts ausfallender Dividenden für die Aktionäre und millionenfacher  Kurzarbeit der Beschäftigten Verzicht üben sollten - gegebenenfalls freiwillig, wenn ihre Verträge das nicht hergeben. Keinesfalls dürfe es dazu kommen, dass die Zielvorgaben für Bonuszahlungen wegen der Krise herabgesetzt werden, was zu höheren Einkünften führen könnte.