Eine Corona-Station im israelischen Jerusalem: Das Land meldet einen neuen Höchststand an Infektionen. dpa/Maya Alleruzzo

Aus zwei Ländern werden beunruhigende Entwicklungen zur Corona-Pandemie gemeldet. Das eine gilt als Musterland der weltweiten Impfkampagne: Israel hatte seine Bevölkerung als wohl erstes Land überhaupt weitgehend durchgeimpft. Doch nun hat dort die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen einen neuen Höchststand erreicht. Wie das Gesundheitsministerium in Jerusalem am Dienstag mitteilte, wurden binnen 24 Stunden fast 11.000 Neuinfektionen registriert. Die Regierung hält dennoch an ihrem Plan fest, dass die 2,4 Millionen Schüler ab Mittwoch wieder zur Schule gehen.

Corona-Musterland Israel inzwischen wieder als Hochrisikogebiet eingestuft

Das Problem Israels geht auch Deutschland an: Denn es ist die Delta-Virusvariante, wegen der die Corona-Zahlen in den vergangenen Wochen stark angestiegen waren. Die Regierung bietet inzwischen allen Einwohnern ab zwölf Jahren eine Auffrischungsimpfung an.

Israel war es gelungen, Impfungen früher anzubieten als die meisten anderen Länder. Grundlage war ein Abkommen mit dem Pharmakonzern Pfizer, der Israel rasch mit Millionen Impfdosen belieferte und dafür die Zusicherung erhielt, Daten zur Wirksamkeit der Impfung zur Verfügung gestellt zu bekommen. Bislang sind rund 60 Prozent der Israelis vollständig gegen das Coronavirus geimpft, darunter rund 80 Prozent der Erwachsenen.

Nun hat die EU angesichts der steigenden Infektionszahlen in Israel am Montag die Wiedereinführung von Einreisebeschränkungen beschlossen: Israel gilt nun als Hochrisikogebiet. Das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen touristischen Reisen.

Noch ist unklar, ob Mutante C.1.2 gefährlicher als Delta-Variante ist

Eine neue Corona-Variante mit einer ungewöhnlich hohen Mutationsrate beschäftigt derzeit Wissenschaftler in Südafrika. Die Verbreitung der als C.1.2 bezeichneten Variante habe in den vergangenen Monaten leicht zugenommen, erklärte das südafrikanische Institut für Infektionskrankheiten (NICD) am Montag. C.1.2 wurde demnach in allen neun südafrikanischen Provinzen nachgewiesen. Auch in China, Mauritius, Neuseeland und Großbritannien wurde die Variante bereits festgestellt.

Die NICD-Wissenschaftlerin Penny Moore betonte, dass die Verbreitung von C.1.2 nach wie vor „sehr gering“ sei. Vorhersagen dazu, ob die bestehenden Corona-Impfstoffe auch gegen diese Variante wirkten, könnten deshalb noch nicht getroffen werden. Sie sei jedoch „zuversichtlich, dass die in Südafrika verwendeten Vakzine uns weiterhin gegen schwere Erkrankungen und Tod schützen werden“.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach schrieb im Online-Dienst Twitter mit Blick auf C.1.2 von einer „potenziell sehr gefährlichen“ Corona-Variante. Ob sie aber gefährlicher sei als die derzeit weltweit grassierende Delta-Variante, sei noch unklar. Das Auftreten von C.1.2 zeige aber: „Wir müssen Afrika Impfstoff geben“, so Lauterbach.

Südafrika ist das am schwersten von Corona getroffene Land auf dem afrikanischen Kontinent. Seit Beginn der Pandemie wurden in dem Land mehr als 2,7 Millionen Infektionsfälle registriert. Mindestens 81.830 Menschen starben im Zusammenhang mit Covid-19.