Warteschlangen vor den Arbeitsagenturen: Wegen der Corona-Krise steigt die Arbeitslosigkeit.  Foto: Martin Gerten/dpa

Der wochenlange Shutdown in der Corona-Krise bringt die Wirtschaft zum Absturz: Die Bundesregierung  rechnet mit der schwersten Rezession der Nachkriegszeit. Tausende Firmen kämpfen um ihr Überleben, die Arbeitslosigkeit ist im April dramatisch gestiegen. Fast jeder dritte Beschäftigte ist in Kurzarbeit.  Die Lage spitzt sich in ganz Europa zu.

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Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) spricht von einem „massiven Auslands- und Inlandsschock“. Er rechnet in diesem Jahr mit einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 Prozent. Ökonomen gehen sogar von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um bis zu 20 Prozent aus. Auch der Arbeitsmarkt sei, so Altmaier, „stark unter Druck“. Denn Unternehmen haben in Zeiten von geschlossenen Geschäften, Lokalen und Hotels keine Jobs zu vergeben.  

Arbeitslosigkeit im April gestiegen

Die Zahl der Arbeitslosen stieg von März auf April um über 300.000, die Arbeitslosenquote auf 5,8 Prozent. Zugleich stellten Unternehmen Anträge auf Kurzarbeit für gut zehn Millionen Arbeitnehmer. Das sei eine „nie dagewesene Zahl“, sagt Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit. Erstmals in einem April seien Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung gestiegen. Die sonst übliche Frühjahrserholung am Job-Markt fiel aus. Insgesamt waren im April dieses Jahres 2,644 Millionen Menschen ohne Arbeit – rund 415.000 mehr als im Vorjahr.

Minister Peter Altmaier ist in ernster Sorge.
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War das erst der Anfang? Experten rechnen  schon damit, dass sich die Wirtschaft erst in sieben bis acht Jahren vom Corona-Schock erholt.

Wirtschaftskrise in ganz Europa

In ernsten Schwierigkeiten sind derzeit viele Länder Europas – vor allem Frankreich, Spanien und Italien. In der Eurozone schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 3,8 Prozent. Das ist laut europäischem Statistikamt der stärkste Einbruch seit Beginn der Erhebungen 1995. In Frankreich sank die Wirtschaftsleistung um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, in Spanien um 5,2 Prozent, in Italien um 4,7 Prozent. Teilweise fielen die Einbrüche deutlich stärker aus, als Analysten befürchtet hatten.  

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Im Kampf gegen die Rezession legen die europäischen Regierungen Hilfsprogramme für die Wirtschaft auf. Die Bundesregierung plant, wie gestern bekannt wurde, einen Direkteinstieg bei der kriselnden Lufthansa: Laut „Spiegel“ geht es um Hilfen im Gesamtvolumen von zehn Milliarden Euro. Die Fluggesellschaft ist wegen der Corona-Krise in wirtschaftliche Probleme geraten.

Aus Sicht von Parteien und Gewerkschaften müssen aber auch Arbeitnehmer in der Krise gestärkt werden. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans etwa fordert höhere Löhne für systemrelevante Leistungsträger – Krankenpfleger, Polizisten, Busfahrer und Kassiererinnen. Sie hätten sichere Jobs verdient. (mit dpa, AFP)