Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigt US-Präsident Donald Trump auf einer alten Karte, wo sich das Trump-Dorf befindet. Foto: dpa/Steffen Kugler/Bundesregierung

Kallstadt - Vier Jahre lang rechnete ein Winzerort in Rheinland-Pfalz mit einem Besuch von US-Präsident Donald Trump. Der Großvater des mächtigsten Mannes der Welt war von hier nach Amerika ausgewandert. Doch Enkel Donald kam nicht. Ist der Ort nun vor der anstehenden US-Wahl 2020 enttäuscht - oder doch erleichtert?

Um seinen Ruf als deutsche Heimat von Donald Trump hat sich der Winzerort Kallstadt (1200 Einwohner) wahrlich nicht gerissen. „Ach, es gibt immer Zeiten, da wird es lästiger, da kommen die Fragen nach Donald Trump dann häufiger“, sagt Bürgermeister Thomas Jaworek (CDU). „Aber es ist nicht so, dass diese Fragen jeden Tag gestellt werden.“ 

Seit Trumps Wahlsieg vor vier Jahren sieht sich Kallstadt der stets gleichen Frage ausgesetzt: Besucht der US-Präsident den Ort seiner Vorfahren väterlicherseits? Wenige Wochen vor der diesjährigen Präsidentenwahl scheint klar, dass Trump es nicht mehr bis zur Abstimmung am 3. November schafft. Ist Jaworek enttäuscht? Der Bürgermeister gibt sich gelassen. „Ich habe von Anfang an gesagt: Wenn er kommt, kommt er, wenn er nicht kommt, kommt er nicht.“

Hier liegen die deutschen Vorfahren von US-Präsident Trump gegraben. Foto: dpa/Uwe Anspach

In Gesprächen in Kallstadt klingt recht deutlich an, dass wohl wenige wirklich begeistert wären von einem Besuch des 74-Jährigen. Der Name des US-Präsidenten - den man hier oft demonstrativ deutsch „Drump“ ausspricht - ist im Ort zu einem Reizwort geworden. „Der Medienrummel rund um die letzte Wahl hat schon vielen gestunken, da wäre bei einem Besuch ja der Teufel los“, sagt ein Mann aus dem Ort. „Und wir schauen ja auch Nachrichten und sehen, welche Politik der Mann macht. Ich kenne niemanden hier, der ihn herzlich willkommen heißen würde.“

Dabei könnte Donald Trump viel sehen. Kallstadt ist einer jener malerischen Orte an der Deutschen Weinstraße, die Touristen jeder Sorte etwas bietet: das „Pfälzer Nationalgericht“ Saumagen für den, der es deftig mag, aber auch leichtes Essen für Radfahrer und Wanderer. Es gibt Gartenlokale, Hotels mit Fachwerk - und es gibt die beiden Häuser an der Freinsheimer Straße, in denen Trumps Vorfahren wohnten. Den jetzigen Bewohnern ist der Rummel längst ein Graus.

Trumps Großvater Friedrich wuchs in einem unscheinbaren weißen Haus auf, bevor er 1885 in die USA ging. Aus Kallstadt stammt übrigens auch der Vater des Ketchup-Herstellers Henry John Heinz. In der Salvatorkirche steht ein Kelch, aus dem Trumps Großeltern bei ihrer Konfirmation getrunken haben sollen. Die Trump-Organization, das Unternehmen des US-Präsidenten, unterstützte vor Jahren die Außenrestaurierung des protestantischen Gotteshauses mit 5000 US-Dollar. Die Nachfahren des Ketchup-Unternehmers Heinz waren etwas großzügiger: Sie spendeten 50.000 Euro für die Orgel.

Kein Vergleich mit Washington: So beschaulich sieht die Hauptstraße von Kallstadt aus. Foto: dpa/Uwe Anspach

Doch was wäre gewesen, wenn Trumps Großvater Friedrich aus den USA zurückgekehrt und Donald Trump in Deutschland aufgewachsen wäre? Mit diesem Gedanken spielt Regisseur, Schauspieler und Autor Alexis Bug in seinem Theaterstück mit dem wenig schmeichelhaften Namen „Kallstadter Saukerl“. Donald heißt darin Toni und ist Friseur. Bug tourt damit vor allem durch Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

Trump war zwar zum G20-Gipfel 2017 in Hamburg, aber in der Hauptstadt Berlin war er seit seinem Amtsantritt nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) brachte ihm 2018 bei einem Besuch im Weißen Haus einen Kupferstich von 1705 mit - mit einer Karte der Pfalz, auf der Kallstadt zu sehen ist. Der damalige US-Botschafter Richard Grenell hatte einen Besuch von Trump wiederholt in Aussicht gestellt.

Sollte Trump wiedergewählt werden, könnte er Kallstadt dann in seiner zweiten Amtszeit besuchen. Oder er reist - bei einer Niederlage - als Privatmann in die Pfalz. Genug Zeit hätte er dann ja.

Blick auf den Ortskern mit dem Turm der Salvatorkirche. Foto:  dpa/Uwe Anspach