Ein Beamter oder eine Beamtin arbeitete nebenbei an der Supermarkt-Kasse. dpa/Tobias Hase

Die Masken-Affäre hat gezeigt, wie sich Politiker lukrative Nebenjobs an Land ziehen und auch wie skrupellos sie dies tun. Und wie das Innenministerium auflistet, haben auch Hunderte Beamte in den Ministerien in Berlin noch nebenher Zeit, um sich etwas dazuzuverdienen. Als Nebenjobber verkaufen sie etwa Wein, Bratwürste und Kosmetik, vermitteln Versicherungen oder sitzen bei Edeka an der Kasse, berichtet die Rheinische Post.

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In insgesamt rund 450 Fällen haben laut Bericht Beamte des Bundes in der laufenden Legislaturperiode überwiegend bezahlte Nebentätigkeiten in privatwirtschaftlichen Unternehmen ausgeübt. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die der Rheinischen Post vorliegt.

450 Fälle bezahlter Nebentätigkeiten

Und offenbar haben die Staatsdiener im Finanzministerium von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz dazu am meisten Zeit. Denn allein über 200 Nebentätigkeiten entfielen demnach auf Beamte des Finanzministeriums.

Die meisten Nebenjobber gibt's im Finanzministerium

Sie verdienten sich etwa mit Versicherungsvermittlungen, dem Vertrieb von Kosmetik, der Haustierversorgung, mit Lehrtätigkeiten, Vorträgen oder als Mitgesellschafter eines Weinhandels Geld dazu.

Ein Finanzbeamter hatte zum Beispiel auch Zeit für eine Nebentätigkeit als Produkttester für Computerspiele, ein Beamter des Familienministeriums jobbte nebenbei in einem Imbissbetrieb. Das Innenministerium erlaubte einer Beamtin oder einem Beamten, nebenher bei Edeka an der Kasse zu arbeiten, wie aus der Antwort hervorgeht.

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Die Bundesregierung hat in der laufenden Legislaturperiode überdies mehr als 800 Beamtinnen und Beamte an Unternehmen ausgeliehen. Umgekehrt arbeiteten in dieser Periode bisher 28 externe Arbeitskräfte vorübergehend in den Bundesministerien mit, darunter die meisten im Auswärtigen Amt.

Auf die Korruptionsvorwürfe in der Masken-Affäre hin bringt der Bundestag härtere Transparenzregeln für Abgeordnete auf den Weg. Der Gesetzentwurf verbietet auch bezahlte Lobbyarbeit von Abgeordneten gegenüber der Bundesregierung oder dem Bundestag und die Annahme von Geldspenden.