Franziska Giffey (SPD), Spitzenkandidatin ihrer Partei zur Abgeordnetenhauswahl, ist auf einem Wahlplakat vor dem Roten Rathaus und dem Fernsehturm zu sehen.  Jörg Carstensen/dpa

In Berlin ist am 26. September nicht nur Bundestagswahl. Die Bürger wählen auch ein neues Landesparlament. Ins Rathaus wird dabei auf jeden Fall ein neues Gesicht einziehen - aber wer? Der KURIER stellt die drei Favoriten vor.

SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey lächelt Plagiatsaffäre weg

 Franziska Giffey legte eine steile Karriere hin. Binnen drei Jahren stieg die 43-Jährige, die aus Brandenburg stammt, von der Bildungsstadträtin im Multi-Kulti-Bezirk Neukölln über das Amt der Bezirksbürgermeisterin zur Bundesfamilienministerin auf. Im Mai trat sie wegen der Affäre um Plagiate in ihrer Doktorarbeit von dem Amt zurück. Dennoch gilt Giffey, die auch Landesvorsitzende ist, in Berlins SPD als Hoffnungsträgerin. Im Wahlkampf setzte sie sich von den bisherigen Koalitionspartnern Grünen und Linke ab, vertritt etwa in Bereichen der Verkehrs-, Klima- oder Wohnungspolitik eher CDU-Positionen. Sie bekannte sich auch, anders als beide bisherigen Partner, nicht zur Fortsetzung von Rot-Rot-Grün.

Franziska Giffey (SPD) während einer Wahlkampftour in Berlin.  Berliner KURIER/ Paulus Ponizak

Bettina Jarasch will als erste Grüne ins Rathaus

Bettina Jarasch darf als Überraschungskandidatin der Berliner Grünen gelten. Zwar ist die 52-Jährige keine Unbekannte, sie amtierte von 2011 bis 2016 als Landesvorsitzende und ist seither Abgeordnete. Gleichwohl hatten nur wenige erwartet, dass die Grünen sie ins Rennen schicken. Jarasch stammt aus Augsburg, ist studierte Philosophin und arbeitete zeitweise als Redakteurin. Bei den Grünen wird sie - soweit diese Kategorisierung noch greift - dem Realo-Flügel zugerechnet. Im Wahlkampf gibt sich die Politikerin als konsequente Verfechterin von Verkehrswende und des Kampfes gegen den Klimawandel und bekennt sich zur Fortsetzung der Koalition mit SPD und Linke.

Die Spitzenkandidatin Bettina Jarasch (Bündnis 90/Die Grünen) steht im E-Werk bei der Talkrunde des RBB „Ihre Wahl 2021 - zum Abgeordnetenhaus“.  Annette Riedl/dpa

CDU-Kandidat Kai Wegner kämpft für „Neustart“

Kai Wegners Weg zum Spitzenkandidaten begann mit einer Art Putsch. Im Mai 2019 drängte der langjährige Bundestagsabgeordnete und damalige Berliner CDU-Vize Monika Grütters aus dem Amt und ließ sich als Nachfolger der Kulturstaatsministerin zum Landeschef wählen. Dass der 49-Jährige später zum CDU-Spitzenmann für die Abgeordnetenhauswahl gekürt wurde, überraschte niemanden. Wegners ausgegebenes Ziel ist es, mittels eines „Neustarts“ für Berlin Rot-Rot-Grün zu beenden. Er kommt gebürtig aus dem Berliner Bezirk Spandau und gilt als breit vernetzt in der Hauptstadt.

Berlins CDU-Spitzenkandidat Kai Wegner steht im Matthias-Erzberger-Haus vor seinem Bundestagsbüro. 
Annette Riedl/dpa