Springer-Chef Mathias Döpfner imago (Archivbild)

Er wirkt etwas abgehetzt, ist auf dem Sprung nach Washington: Springer-Chef Mathias Döpfner hat sich in einem internen Video für die Mitarbeiter des Medienkonzerns zu der Affäre um den abgesetzten Bild-Boss Julian Reichelt geäußert und erhebt Vorwürfe gegen andere Medien. Das Video wurde auf dem YouTube-Kanal des Axel-Springer-Konzerns veröffentlicht, wenn auch nicht auf dessen Startseite verlinkt. Ein Versehen war dies wohl kaum, das Video richtet sich wohl auch an die Öffentlichkeit.

Döpfner rechtfertigt sich dafür, dass der seit Monaten umstrittene Bild-Chef Julian Reichelt nicht früher abgesetzt wurde. Hinterher sei man immer klüger: „Es muss im Rechtsstaat das Prinzip der Unschuldsvermutung gelten.“ In der New York Times war ein umfangreicher Artikel erschienen, in dem Übergriffe Reichelts mit zahlreichen Details dargelegt wurden. Zeitgleich war eine umfangreiche Recherche des früheren Buzzfeed-Deutschland-Teams nicht erschienen, nachdem Verleger Dirk Ippen die geplante Veröffentlichung in Zeitungen seines Konzerns verhinderte. Teile der Recherche waren bei Spiegel Online erschienen.

Reichelt war bereits nach massiven Vorwürfen für zwölf Tage suspendiert worden, übte dann aber wieder seine Chef-Funktion aus. Der Recherche zufolge hatte Reichelt eine Affäre mit einer ihm untergebenen Bild-Mitarbeiterin geleugnet, die Beziehung aber tatsächlich fortgeführt. Döpfner dazu: „Er hat es bestritten und wir haben dann gestern (gemeint ist Montag, Anm. d. Red.) zwei glaubwürdige Zeugenberichte bekommen, die dargelegt haben, dass es diese Beziehung sehr wohl gibt.“ Als man ihn damit konfrontierte, habe Reichelt die Beziehung eingeräumt. „Er hat aus den Fehlern von damals nicht gelernt und uns nicht die Wahrheit gesagt. Damit war klar: Wir mussten sofort handeln.“

Döpfner will DDR-Vergleich ironisch gemeint haben

Besonders pikant an der Recherche war eine private Nachricht an den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre, in der Döpfner die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung mit der DDR gleichgesetzt haben soll. Der Springer-Chef bestreitet den Inhalt nicht, sagt vielmehr, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen, polemisch und ironisch gemeint gewesen.

„Zumindest mir geht es so, dass ich manches Übertriebene und Unsinnige in einer privaten Unterhaltung sage oder schreibe.“ Dass das Zitat veröffentlicht wurde, erbost Döpfner. Er lege Wert darauf, „dass es privat ist und nicht behandelt wird wie ein Zitat. Das ist doch eine Grenzüberschreitung“.