Mitten im Ukraine-Krieg zündete Moskau die neue Langstreckenrakete vom Kosmodrom Plessezk. dpa/Roscosmos Space Agency Press Service

Kurz nach dem Angriff auf die Ukraine vor acht Wochen hatte Russland bereits seine Atomwaffen in verstärkte Alarmbereitschaft versetzen lassen, was als Drohung mit dem gigantischen Atomwaffenarsenal des Kreml gedacht war.

Jetzt geht das Säbelrasseln weiter: Inmitten des Krieges ließ der russische Präsident Wladimir Putin am Mittwoch eine neue Interkontinentalrakete vom Typ Sarmat (Nato-Codename: „SS-X-30 Satan 2“) testen und nutzte den Raketenstart für drohende Worte gegen Gegner Moskaus.

Am Mittwochnachmittag sei die Rakete vom Kosmodrom Plessezk im Gebiet Archangelsk abgeschossen worden, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Die für den Test genutzten nicht atomaren Sprengköpfe schlugen demnach auf dem Gelände Kura auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka ein. Die mit Atomsprengköpfen bestückbare Rakete „Satan 2“ stärke massiv das nukleare Potenzial Russlands, hieß es aus Moskau weiter.

Keine Rakete auf der Welt könne Ziele in einer solchen Entfernung erreichen wie diese. Die Sarmat hat eine Reichweite von 18.000 Kilometern. Damit kann Russland sowohl über den Nord- als auch über den Südpol angreifen und Ziele weltweit erreichen.

Keine Rakete ist „Satan 2“ ebenbürtig

Putin sagte, dass es noch auf lange Zeit nichts geben werde auf der Welt, was der Rakete ebenbürtig sei. Das Waffensystem habe „beste taktisch-technische Eigenschaften und ist in der Lage, alle modernen Mittel der Raketenabwehr zu überwinden“, sagte der Kremlchef.

„Das ist eine wirklich einzigartige Waffe, die das Kampfpotenzial unserer Streitkräfte stärken wird und verlässlich die Sicherheit Russlands schützt vor äußeren Bedrohungen.“ Die Waffe zwinge „jene zum Nachdenken, die im Feuereifer einer abgebrühten, aggressiven Rhetorik versuchen, unser Land zu bedrohen“.

Die Sarmat soll die alten, schweren Wojewoda-Atomraketen künftig ablösen. Putin machte deutlich, dass die Waffen unabhängig von den internationalen Sanktionen gegen Russland in Serie gehen könnten. Russland habe alles, was es brauche. Das Verteidigungsministerium in Moskau kündigte an, die Truppen nun an dem neuen System auszubilden.

USA sieht Raketentest gelassen

Die USA reagierten betont gelassen auf die Machtdemonstration Moskaus. Pentagon-Sprecher John Kirby sagte in Washington, Russland habe die Vereinigten Staaten im Rahmen seiner Verpflichtungen aus dem atomaren Abrüstungsvertrag New Start „ordnungsgemäß davon in Kenntnis gesetzt, dass es einen ICBM-Test plant“.

Die Abkürzung ICBM steht für Interkontinentalrakete. „Solche Tests sind Routine und sie waren keine Überraschung“, betonte er. Der Test werde nicht als Bedrohung für die Vereinigten Staaten oder ihre Verbündeten angesehen.

Ein hochrangiger Beamter des US-Verteidigungsministeriums beklagte jedoch, Putins Rhetorik sei nicht hilfreich. In der aktuellen Lage sei dies „sicherlich nicht das, was wir von einer verantwortungsvollen Atommacht erwarten würden“.