Ein Kleinkind  in Kälte und Rauch: Mit Bildern wie diesem verbindet Belarus den verlogenen Appell nach Menschlichkeit, damit mehr Migranten in die EU kommen und dort für politischen Streit sorgen. Foto: BelTA/AP/dpa/Leonid Shcheglov

Ist es Verzweiflung über die Situation in der Heimat, ist es Tollkühnheit auf der Suche nach besserem Leben, oder ist es Blauäugigkeit? Menschen setzen sich nicht nur in nicht seetüchtige Boote, um das Mittelmeer zu überqueren, sie geben auch einen Haufen Geld aus, um nach Belarus zu reisen und durch inzwischen eiskalte Wälder in Richtung Polen, EU und Deutschland zu wandern. Die Gefahr zu ertrinken oder zu erfrieren schreckt sie nicht.

Dahinter stecken wüste Geschäftsmodelle. Schlepper, Fluggesellschaften und  „Reisebüros“, die am Flughafen von Minsk Ersatz für fehlende Papiere für 2000 Dollar für „Touristen“ fabrizieren oder ihnen überteuerte Visa verkaufen, verdienen Millionen. Auch der belarussische Staat schöpft Rahm ab, mindestens 60 Euro sind für ein Einzelvisum fällig. Oppositionelle Medien berichten, dass korrupte Beamte sich die Taschen füllen.

An der Spitze des mafiösen Systems steht Belarus' Machthaber Alexander Lukaschenko, der Wahlfälscher. Sein Machterhalt steht für ihn über allem, gedeckt von Moskau hinterlässt er verbrannte Erde im Verhältnis zu Europa. Er weiß, dass es in der EU mindestens Unbehagen gibt, wenn nicht nur junge Männer, sondern auch Frauen und Kinder unter erbärmlichen Umständen an ihrer Ostgrenze festsitzen, weil Polen sie nicht herein und er sie nicht zurückkehren lässt.

Lukaschenkos Rache-Kalkül nach den EU-Sanktionen gegen ihn: Schick Migranten in Richtung EU, dann wird die sich zerstreiten – um so mehr, je schlimmer das Schicksal der Menschen wird. Nach dem ersten erfrorenen Kind dürfte auch Polens harte Abwehr wanken, die schon jetzt von vielen Polen abgelehnt wird.

Die EU-Länder sollten deshalb endlich die vermutlich letzte humane Karte ziehen und die Fluggesellschaften aus Europa aussperren, die Migranten nach Minsk schaufeln.