Volker Wissing ist Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz und soll die Wirtschaftskompetenz der FDP in der Corona-Krise betonen. Foto: Imago Images/Metodi Popow

Hätte die FDP ein Gesicht, es könnte das von Volker Wissing sein. Als weißer Mann aus Westdeutschland mit Hochschulbildung und einem Faible für Finanzthemen ähnelt er nicht nur seinem Freund und Parteichef Christian Lindner, sondern auch vielen anderen FDP-Mitgliedern. Nun soll der 50-Jährige als Generalsekretär dabei helfen, der Partei wieder Auftrieb zu geben, nachdem sie sich in Umfragen gefährlich der Fünf-Prozent-Hürde genähert hat. Der FDP-Bundestag wählte ihn am Samstag mit knapp 83 Prozent zum Nachfolger der glücklosen Linda Teuteberg.

Die Umstände von Wissings Berufung hatten in der Partei für Unruhe gesorgt. Denn um ihn als Generalsekretär zu installieren, löste Lindner die Amtsinhaberin Teuteberg vorzeitig ab. Es sei ihm bei der Personalie darum gegangen, in der Wirtschafts- und Finanzpolitik die Kompetenz der FDP hervorzuheben, sagte Lindner auf dem Parteitag - und lobte seinen Wunschkandidaten: „Der kann Wahlkampf, der kann Regierung, der kann Liberalismus.“

Linda Teuteberg tritt ein Jahr vor den Bundestagswahlen vorzeitig als FDP-Generalsekretärin ab. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Es waren also hohe Erwartungen, die der Parteichef formulierte. Und Wissing lieferte: Seine Bewerbungsrede vor dem Parteitag machte deutlich, wie sich die FDP im Wahlkampf mit klassisch liberalen Themen profilieren will. Das Konjunkturpaket der großen Koalition? Nichts als „politischer Größenwahn“, kritisiert Wissing. Steuererhöhungen? Wissing findet die Überlegungen dazu „dämlich“. Nötig sei vielmehr eine „Umkehr in der Wirtschaftspolitik hin zu mehr Freiräumen, zu mehr Flexibilität, zu mehr Freiheit“, sagt Wissing.

Ein Jahr vor der Bundestagswahl und angesichts von Umfragewerten von fünf bis sieben Prozent setzt Lindner also wieder auf ein klassisches FDP-Profil auf dem Generalsekretärsposten - und zugleich auf einen langjährigen Vertrauten.

Der promovierte Jurist und ausgebildete Kirchenmusiker Wissing war nach Stationen als Staatsanwalt, Hochschullehrer und Richter 2004 erstmals in den Bundestag gekommen und blieb dort, bis die FDP 2013 den Wiedereinzug ins Parlament verpasste. Der verheiratete Vater einer Tochter machte sich als Finanzexperte einen Namen, zeitweise war er Vorsitzender des Finanzausschusses.

Wissing ist in Mainz Teil einer Ampel-Koalition mit SPD und Grünen. Als Signal für den Bund will er das aber nicht verstanden wissen - die FDP definiere sich nicht über mögliche Koalitionspartner, betont er.